Joseph Ratzinger - Benedikt XVI. GNADE UND BERUFUNG OHNE REUE

Anmerkungen zum Traktat «De ludae»

Gf/ntowf van Kart Cardinal Koch

Die Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils über Jas Verhältnis der Kirche zu Jen nichtchrisdichen Religionen uNostra aetate*, deren vierter Artikel dein Judentum gewidmet ist, wurde am 2H. November 1965 mit einer nahezu moralischen Einmütigkeit von den Konzilsvätern angenommen und vom seligen Papst Paul VI. pro-mulgiert. Vor allem Liber den vierten Artikel hat der Konzilsberater Joseph Ratzinger damals geurteilt, im Verhältnis zwischen Kirche und Israel sei «eine neue Seite im buch der beiderseitigen Bezieh un gen» aufgeschlagen worden (Die letzte Sitzungsperiode des Konzils, Köhl 1%6,68).Anlässlich des üO.Jahrestags der Promulgation von «Nostra aeta- tc# hat die Vatikanische Kommission Irir die religiösen Beziehungen mit dem Judentum ein neues Dokument verriffendirht mit dem Titel «Dean unmdemifiich sind Gnade nnd die Gatt gewährt* (Rönr 11,29). Dieses Dokument wurde der Öffentlichkeit mit der Zielsetzung übergeben, «Ausgangspunkt fiir eine weitere theologische Reflexion zu sein, so dass die theologische Dimension des jüdisch-katholischen Dialogs bereichert und intensiviert wird».

Diese Einladung hat Papst emeritus Benedikt XVI. in liebenswürdigerweise aufge- nominell und umfangreiche Anmerkungen zum Haktet «De Iudaeis* geschrieben. Diese Anmerkungen sind freilich nicht irir die Öffentlichkeit bestimmt gewesen. Papst ein. Benedikt XVI. hat sie vielmehr mir als Präsidenten der Vatikanischen Kommission zur persönlichen Verwendung überreicht, als ich ihn im vergangenen Herbst wieder ein¬mal besuchen durfte. Nachdem ich den Text eingehend studiert hatte, bin ich aber zur Überzeugung gekommen, dass die in ihm enthalteneu theologischen Reflexionen in das künftige Gespräch zwischen Kirche und Israel eingehracht werden sollten. Ich habe deshalb Papst ein Benedikt XVI. gebeten, seinen Text in der oConimunio" veröffentli-chen zu dürfen. Ich bin dankbar, dass ich Papst cm. Benedikt XVI. überzeugen konnte, seine Zustimmung zu geben. Denn seine Reflexionen sind eine wichtige Antwort auf die Einladung der Vatikanischen Kommission zu einem vertieften theologischen Dialog zwischen der Katholischen Kirche und dein Judentum, der Joseph Ratzinger - l*apst Be-nedikt XVI. stets am Heizen gelegen hat. Ich bin überzeugt, dass der vorliegende Beitrag das jüdisch-katholische Gespräch bereichern wird.

 

/. Die theologische Bedeutung des Dialogs zwischen Juden und Christen

Seit Auschwitz ist klar, dass die Kirche die Frage nach dem Wesen des Juden-tums neu bedienten muss* Das Vaticanum H hat mit seiner Erklärung Na?tja aetate dazu erste grundlegende Weisungen gegeben. Dabei muss freilich zu-nächst schon präzisiert werden, wovon der Traktat über die Juden handelt. Das mit Recht vieJ gerühmte Buch von Franz Mußner zu diesem Thema ist im wesentlichen ein Buch über die bleibende positive Bedeutung des Alten Testaments. Dies ist zweifellos sehr wichtig, aber entspricht nicht dem Thema De Iudaeis. Denn unter «Judentum» im eigentlichen Sinn verstellt man nicht das Alte Testament, das Juden und Christen im wesentlichen gemeinsam ist. Vielmehr gibt es in der Geschichte zwei Antworten auf die Zerstörung des Tempels und das neue, radikale Exil Israels: das Judentum und das Christen-tum. Zwar haue Israel schon mehrmals die Situation der Tempelzerstörung und der Zerstreuung erleben müssen, aber docli jedes Mal auch auf eine Wiedercrbauung des Tempels und die Heimkehr ins verheißene Land hoffen dürfen. Dies war in der konkreten Situation nach der Tempelzerstörung im Jahr 70 n.Chr. und endgültig nach dem Scheitern Bar Koclibas anders. Tem-pelzerstörung und Zerstreuung Israels mussten in der gegebenen Situation mindestens als sehr lang fortdauernd angenommen werden, und schließlich ist im Lauf der Entwicklung immer deutlicher geworden, dass der Tempel mit seinem Kult nicht mehr wiederherzustellen wäre, selbst wenn die politische Situation dies gestatten würde. Dazu kam aber für die Juden noch, dass es eine Antwort auf Zerstörung und Zerstreitung gab, die von Anfang an dies als endgültig und die so entstandene Situation als einen vom Glauben Isra¬els selbst her 2ti erwartenden Vorgang voraussetz te: Es ist die Reaktion der Christen, die zunächst ja durchaus noch nicht völlig vom Judentum getrennt waren, sondern die Kontinuität Israels in ihrem Glauben durchzuhalten bean-spruchten. W'ie wir wissen, hat nur ein eher kleiner Teil Israels diese Antwort anzunehmen vermocht, während der größere Teil sich ihr widersetzie und auf andere Weise eine Lösung suchten musste. Beide Wege waren freilich kei-neswegs von Anfang an deutlich voneinander getrennt und haben so immer wieder im Streitgespräch sich entwickelt.

Die im Anschluss an die Botschaft, das Leben, das Leiden und das Kreuz Jesu von Nazareth entstandene Gemeinschaft hat zunächst durchaus innerhalb von Israel ihren Weg genommen, wie die Apostelgeschichte 2eigt. Sie hat dann aber schrittweise ihre Verkündigung in die griechischen Räume hinein aus-geweitet und ist dabei zusehends mit Israel in Konflikt geraten. Bezeichnend ist für diesen Prozess der Abschluss der Apostelgeschichte, nach dem Paulus in Rom noch einmal mit den Juden begonnen und sie für die Auslegung der

 

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Schrift vom Jesus-Ereignis her zu gewinnen versucht hatte, aber aut" Ableh-nung stieß, die er injes 6,9-10 vorausgesagt fand. Wenn hier die Trennung der beiden Gemeinschaften abgeschlossen zu sein scheint, hat sie sich anderwärts zweifellos noch viel länger hingezogen, so dass der Dialog fortging und beide Seiten nach wie vor im Ringen miteinander geblieben sind.

Die Gemeinschaft der Christen hat ihre Identität in den Schriften des Neu¬en Testaments ausgedrückt, die im wesentlichen in der zweiten Hälfte des ers¬ten Jahrhunderts entstanden sind. Aber es dauerte doch noch geraume Zeit, bis sie zu einem Kanon zusammengewachsen waren, der dann das maßgebliche Dokument für die christliche Identität darstelh. Diese Schriften stehen aber nicht in sich selbst, sondern beziehen sich durchweg auf das «Alte Testament», das heißt auf die Bibel Israels. Ihr Sinn ist es, die authentische Auslegung der altiestamentlidien Schriften in den Ereignissen um Jesus Christus zu zeigen. So bestellt der christliche Kanon von seinem Wesen her aus zwei Teilen: dem «Al-ten Testament», der Schrift Israels und nun des Judentums, sowie dem «Neuen Testament**, das von Jesus her den Weg der Auslegung des Alten authentisch klärt. Beiden Gemeinschaften bleiben damit die «altiestamemliehen Schrif¬ten» gemeinsam, wenn auch je anders ausgelegt. Außerdem wurde bei den Christen die etwa vom 3.Jahrhundert vor Christus an entstandene griechische Übersetzung der alttestam entliehen Bücher, die sogenannte Septuaginta, fak-tisch als kationisch anerkannt neben und mit der hebräischen Bibel. Insofern war der Kanon der Christen umfangreicher als der der Juden. Außerdem gibt es zwischen der Septuaginta und dem hebräischen Text zum Teil nicht ganz unerhebliche Abweichungen. Das Judentum hat in der Zeit der allmählichen gegenseitigen Ausschließung seinerseits dem hebräischen Text seine endgültige Cestalt gegeben. Außerdem hat es in den ersten Jahrhunderten nach Christus in Mischna und Talmud seine Weise der Lesung der heiligen Schriften ma߬gebend formuliert. All dies ändert nichts daran, dass beiden Sehen ein heiliges Buch gemeinsam ist.

In der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts hat freilich Markion mit seiner Bewegung diese Einheit zu zerbrechen versucht, so dass Judentum und Chris-tentum zwei gegensätzliche Religionen geworden wären. Von dieser seiner Siebt her hat Markion einen Kanon des Neuen Testaments geschaffen, der in striktem Gegensatz zur Bibel Israels steht. Der Gott Israels (Ahes Testament) und der Gott Jesu Christi (Neues Testament) sind zwei verschiedene, einander entgegengesetzte Gottheiten. Der Gott des Alten Testaments sei ein Gott einer gnadenlosen Gerechtigkeit; der Gott Jesu Christi sei demgegenüber der Gott der Barmherzigkeit und der Liebe. Dementsprechend hat Markion einen neu¬testa men tli eben Kanon allein aus dem Lukas-Evangelium und zehn Paulus¬Briefen geformt, die freilich ihrerseits bearbeitet werden mussten, um dem

 

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gegebenen Zweck zu dienen. Markion ist bereits nach kurzer Tätigkeit von der Kirche in Rom exkommuniziert und so seine Religion als nicht dem Chris¬tentum zugehörig ausgeschlossen worden. Die markionitische Versuchung be¬sieht freilich weiter und tritt in bestimmten Situationen der Kirchengeschichte wieder hervor.

An dieser Stelle halten wir fest, dass Judentum und Christentum sich in einem schwierigen Prozess au seinanderen [wickelt. und sich zu zwei getrenn¬ten Gemeinschaften geformt haben, aber trotz der autoritativen Schriften, in denen die je eigene Identität beider formulier t ist, dennoch durch die gemein¬same Grundlage des «Alten Testaments» als ihrer gemeinsamen Bibel mitein¬ander verbunden bleiben.

An diesem Punkt stellt sich die Frage, wie nun die beiden getrennten und doch durch die gemeinsame Bibel verbundenen Gemeinschaften einander be¬urteilen: Es entstellt der Traktat De Iiitfaeis, der häufig Advtxsus Judatos heißt und polemisch ausgerichtet war. Die negativen Urteile über die Juden, die auch die politischen und sozialen Probleme des Miteinanders spiegeln, sind bekannt und haben immer wieder zu judenfeindlicben Ausfallen geführt. An¬dererseits hat die Kirche von Rom, wie wir vorhin bereits gesehen haben, im 2. Jahrhundert mit ihrer Absage an Markion klargestellt, dass Christen und Juden den gleichen Gott anbeten und die heiligen Bücher Israels auch heilige Bücher der Christenheit sind. I )er Glaube Abrahams ist auch der Glaube der Christen, Ahraham ist aucli für sie «der Vater im Glauben».

In dieser grundlegenden Gemeinsamkeit isi freilich auch der Gegensatz der Auslegungen mitenthalten;

  1. Für die Juden ist klar, dass Jesus nicht der Messias ist und deshalb die Christen sich zu Unrecht auf ihre Bibel, das «Alte Testament», berufen. Ihr Grundargument ist und lautet: Der Messias bringt den Frieden. Christus hat ihn nicht in die Welt gebracht.
  2. Dem halten die Christen entgegen, dass nach der Zerstörung des Tem¬pels 70 n. Chr. und angesichts der Diasporasituation Israels, von der kein Ende abzusehen war, die Schrift, «das Alte Testament», neu ausgelegt werden musste und in der bisherigen Form nicht mehr gelebt und verstanden werden konnte. In seinetn Wort von dem abgebrochenen und in dreiTagen wieder aufgebau¬ten Tempel hatte Jesus das Ereignis der Tempelzerstörung vorweggenommen und eine neue Form der Got tes1Verehrung an gekündigt, deren Mittelpunkt die Gabe seines Leibes sein sollte, womit zugleich der Sinai-Bund in seine endgül¬tige Gestalt gebracht werden sollte, zum neuen Bund wurde. So sei zugleich der Bund auf alle Glaubenden ausgedehnt und damit auch der Landverhei¬ßung ihr endgültiger Sinn gegeben.

 

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Fiir die Christen war von daher evident, dass die Botschaft Jesu Christi, sein Tod und seine Auferstehung, die von Gott selbst gegebene Wende der Zeit bedeutete und damit die Auslegung der heiligen Bücher von Jesus Christus her gleichsam von Gott legitimiert war.

Traditionell ist das Alte Testament in drei Arten von Büchern aufgeteilt; Tora (Gesetz) - Nebiitn (Propheten) - Ketubim (Weisheitsbücher und Psalmen). Wahrend im Judentum das Gewicht ganz und gar auf der Tora liegt und fak-tisch die übrigen Bücher, die Psalmen ausgenommen, - besonders die prophe-tischen Bücher - eher nur sekundäres Gewicht haben, ist die Perspektive bei den Christen verschoben. Das ganze Alte Testament wird nun als Prophetie, als saeramentuni fumnt aufgefasst: Auch die fünf Bücher Mose sind wesentlich Pro¬phetie. Dies bedeutet eine Dynamisierung des Alten Testaments, dessen Texte nicht statisch in sich zu lesen sind, sondern insgesamt als Bewegung nach vorn zu - auf Christus hin - verstanden werden müssen. In der Praxis der Kirche hat sich auf diese Weise eine konkrete Verteilung der Gewichte ergeben: 13ie Weis¬heitsbücher sind Grundlage der moralischen Weisung im Katechumenat und im Leben der Christen überhaupt,Tora und Propheten sind als vorausgenom¬mene Christologie zu lesen. Die Psalmen werden das große Gebetbuch der Kirche. Tradition eil wird David als ihr Verfasser angesehen. Für die Christen ist aber erst Jesus Christus der wirkliche David und so der Beter der Psalmen, von dem her und mit dem wir sie lesen.

Die ursprüngliche historische Bedeutung der Texte soll damit nicht aufge-hoben, aber sie muss überschritten werden. Bezeichnend dafür sind die beiden ersten Zeilen des berühmten Distychon über die vier Schriftsinne: Littera facta doct't. Quid credas allegoria. Moralis quid agas. Qito tendas anagogia.

Schon bei Gregor dem Großen zeigt sich allerdings gegenüber diesen Ge-wichtungen eine Verschiebung: Die «Allegorie», die cbristologisehe Lektüre der ganzen Schriften, verliert an Bedeutung, während der moralische Sinn immer mehr in den Vordergrund tritt. Wenn bei Thomas von Aquin mit einer neuen Sicht der Theologie die Allegorie grundlegend ab gewertet wird (nur der Wortsinn ist argumentativ zu gebrauchen) und de facto die Nikomachische Ethik des Aristoteles zur Grundlage christlicher Moral wird, so ist die Gefahr des BedeutungsVerlustes für das ganze AlteTestament offenkundig.

  1. Die neue Sich des Problems im Vaticanum II

ln Nr. 4 der Erklärung des II. Vatikanischen Konzils über das Verhältnis der Kirche sn den nühtchristliehen Religionen wird in entscheidender Weise das Verhältnis zwischen Christentum und Judentum formuliert. Historische Irrtümer wer-

 

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den zuriidtgewiesen, und die wirklich authentischeil Gehalte der christlichen Überlieferung in Sachen Judentum formuliert, womit ein gültiger Maßstilb für den neu zu fassenden Traktat De Judaeis gegeben wird.

Im Jalir 2015 bat. die Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum Reflexionen zu theologischen Fragestellungen rn den katholisch -jüdischen Beziehungen aus Anlass des 50 jährigen Jubiläums von «Nostra aetdte» (Nr 4) ver¬öffentlicht, in denen sie die bisherige Entwicklung autoritativ zusammenfasst. Von diesem Überblick aus gesehen kann man wohl sagen, dass sich die nach dem Konzil entwickelte neue Sicht des Judentums in zwei Aussagen zusam¬menfassen lässt:

  1. Abzulehnen ist die «Substitutionstheorie», die bisher das theologische Denken in dieser Frage bestimmt hatte. Sie besagt, dass Israel nach der Ableh¬nung Jesu Christi aufgehört habe, Träger der Verheißungen Gottes zu sein, so dass es nun als das Volk bezeichnet werden könne, «das so lange das auserwählte war» (Gebet zur Weihe des Menschengeschlechtes an das heiligste Merz Jesu).
  2. Richtig sei vielmehr die Rede vom nie gekündigten Bund, die nach dem Konzil im Anschluss an Röm 9-11 entwickelt wurde.

Beide Thesen - dass Israel nicht durch die Kirche substituiert werde, und dass der Bund nie gekündigt worden sei — sind im Grunde richtig, sind aber doch in vielem ungenau und müssen kritisch weiter bedacht werden.

Zunächst ist festzustellen, dass es eine «Substitutionstheorie» als solche vor dem Konzil nicht gegeben hat: Keine der drei Auflagen des «Lexikons für Theologie und Kirche» {Buchberger - Rahner - Kasper) kennt ein Stichwort Substiiutionstheorie, auch nicht die evangelischen Lexica wie zum Beispiel RGG\ Wold aber erscheint im Stichwortverzeichnis des Kasper-LThK das Wort Substitutionstheorie, das unter den Stich Worten Ahes Testament II (Breu- ning), Israel III {Breuning) und Volk Gottes I (W. Kraus) auftaucht.

So wie es die «Substitutionstheorie» als solche nicht gegeben hat, ist auch die Vorstellung von der Stellung Israels in der I leilsgeschichte nach Christus von der Theologie nicht einheitlich aufgeiassi worden. Richtig ist allerdings, dass von Texten wie von dem Gleichnis der Weinbergspächter her (Mk 12,1-11) oder auch des Festmahls (Mt 22,1 14; Lk 14,15-24), zu dem die Ein gelade¬nen nicht kommen und dann durch andere ersetzt werden, der Gedanke der Verwerfung Israels die Vorstellung von seiner Funktion in der gegenwärtigen Heilsgeschichte weitgehend prägte.

Andererseits blieb doch klar, dass Israel bzw. das Judentum immer eine be¬sondere Stellung behielt und nicht einfach in die Welt der übrigen Religionen untertaucht. Zwei Gesichtspunkte vor allem haben den Gedanken an ein solch totales Ausscheiden des jüdischen Volkes aus der Verheißung immer verhin¬dert:

 

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  1. Israel ist unbestritten weiterhin Besitzer der Heiligen Schrift, Zwar sagt der zweite Korlatherbrief, dass bei der Lektüre der Schrift das Ilerz Israels von einem Schleier zugedeckt sei und dass dieser Schleier erst weggenommen werde durch die Hinwendung zum Herrn Jesus Christus (2 Kor 3,1öf). Aber es bleibt eben doch, dass es mit den Heiligen Schriften Gottes Offenbarung in Händen halt. Kirchenväter wie zum Beispiel Augustinus haben betont, dass es Israel als nicht zur Gemeinschaft der Kirche gehörend geben müsse, um die Authentizität der I [eiligen Schriften zu bezeugen.
  2. Nicht nur der heilige Paulus spricht davon, «dass ganz Israel gerettet wer-den wird», sondern auch die Apokalypse des heiligen Johannes sieht zwei Grup-pen von Geretteten: Die 144.000 aus den zwölf Stämmen Israels, die in einer anderen Sprache dasselbe ausdriicken, was Paulus mit dem Wort «ganz Israel» sagen wollte, und daneben das «viele Volk, das man nicht zählen kann- (Offb 7,9) als die Darstellung der geretteten Heiden well. Diese endzeitliehe Perspek¬tive ist von der Siebt der neutesiamen fliehen Überlieferung her nicht einfach eine Sache nach vielen Jahrtausenden, die am Ende irgendwann kommen wird, sondern das «Esehacologisehe* ist immer auch irgendwie Gegenwart,

Von beiden Gesichtspunkten aus war für die Kirche klar, dass das Judentum nicht eine Religion unter anderen geworden ist, sondern in einer besonderen Situation stellt und daher auch als solches von der Kirche anerkannt werden muss. Auf dieser Grundlage hat sich im Mittelalter die Idee von der doppel¬ten Schulpflicht des Papstes entwickelt, der einerseits die Christen gegen die Juden verteidigen müsse, aber auch die Juden zu schützen habe, so dass sie allein in der mittelalterlichen Welt neben den Christen als religio titita bestehen konnten.

Die Frage der Substitution stellt sich aber nicht nur insgesamt für Israel als solches, sondern konkretisiert sieb in den einzelnen Elementen, in denen die Erwählung sich darsiellt: Die Kuligeseizgebung, zu der mit dem Tempelkult auch die großen Feste Israels gehören (1); die den einzelnen Israeliten betref¬fenden Kuligesetze: Sabbat, Beschnei düng, Speisegebote, Kein bei tsvor schrit¬ten (2); die rechtlichen und moralischen Anweisungen der Tora (3); der Messias (4); die Land Verheißung (S). Von da ist dann auch die Frage nach dem Bund an zu gehen.

III.                        Die Frage der «Substitution*

Behandeln wir demnach in einem ersten Teil die wesentlichen Elemente der Verheißung, auf die der Begriff Substitution angewandt werden könnte; in einem zweiten Punkt wird dann die Frage des Bundes anzugehen sein.

 

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  1. Der Tempelkult

Was bedeutet das Nein zur Substitution hinsichtlich des in der Tora geregelten Tempelkultes? Fragen wir ganz konkret: Tritt die Eucharistie an die Stelle der kultischen Opfer, oder bleiben diese an sich notwendig? Ich denke, an diesem Punkt werde sichtbar, dass die statische Sicht von Gesetz und Verheißung, die hinter dem undifferenzierten Nein zur «Substitutionstheorie» steht, an dieser Stelle notwendig durchbrochen wird. Die Frage nach dem Kult hat sich in Israel offensichtlich von Anfang an in einer Dialektik zwischen Kultkritik und Treue zur kultischen Weisung bewegt. Ich möchte dafür auf das dritte Kapitel des ersten Teils meines Buches Der Geist der Liturgie. Eine Einführung verweisen. Die kultkritische Seite begegnet uns in Texten wie 1 Sam 15,22; Hos 6,6; Am 5,21—27 und so fort. Während Kultkritik aber im hellenistischen Raum immer mehr 2ur totalen Ablehnung des kultischen Opferwesens führte und im Gedanken des Logos-Opfers konkrete Gestalt fand, bleibt in Israel immer das Wissen, dass das rein geistige Opfer nicht ausreicht. Ich verweise auf zwei Texte: Dan 3,37-43 und Ps 51,19ff.

Der Psalm sagt in Vers 18f eindeutig: «Schlachtopfer willst du nicht [...] Das Opfer, das Gott gefällt, ist ein zerknirschter Geist». Darauf folgt aber dann überraschend in Vers 20f die Bitte und die Voraussage: «[...] bau die Mauern Jerusalems wieder auf! Dann hast du Freude an rechten Opfern, an Brand¬opfern und Ganzopfern». Moderne Ausleger sagen uns, hier hätten am Ende konservative Elemente das wieder hinzugefügt, was im Vers vorher verneint war. In der Tat gibt es einen gewissen Widerspruch zwischen den beiden Vers- gruppen. Aber dass der letzte Vers unbestritten zum Kanon-Text gehört, zeigt doch, dass das bloß geistige Opfer allein als nicht ausreichend empfunden wird. Das Gleiche zeigt sich in dem erwähnten Daniel-Text.

Für die Christen bedeutet die Ganzhingabe Jesu im Kreuzestod, die nur von Gott her mögliche und zugleich notwendige Synthese beider Sichten ist: Der leibhaftige Herr gibt sich als Ganzer für uns hin. Sein Opfer umfasst den Leib, die ganze reale körperliche Welt. Aber sie ist hineingenonunen in das Ich Jesu Christi und so ganz ins Personhafte erhoben. Für die Christen ist damit klar, dass aller vorangehende Kult seinen Sinn und seine Erfüllung nur darin findet, dass er Zugehen auf das Opfer Jesu Christi ist. In ihm, auf den er im¬merfort verweist. Ist das Ganze sinnvoll. So gibt es eigentlich in der Tat keine «Substitution», sondern ein Unterwegssein, das schließlich eine einzige Reali¬tät wird und dennoch das notwendige Verschwänden der Tieropfer, an deren Stelle («Substitution») die Eucharistie tritt.

An die Stelle der statischen Sicht der Substitution oder Nicht-Substitution tritt so die dynamische Betrachtung der ganzen Heilsgeschichte, die in Chris¬tus ihre äi'ctKfctJiaAmaXTLi; (vgl. Epli 1,10) findet.

 

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  1. Kultgesetze

Um den Bereich von Kultgesetzen, der die einzelnen Personen betrifft (Be-schneidung, Sabbat usw.), kreist der Streit über die Gesetzesfreiheit der Chris¬ten, vor allem bei Paulus. Heute ist klar, dass einerseits diese Ordnungen der Schutz der Identität Israels in der großen Zerstreuung unter die Völkerwelt wa¬ren und dass andererseits die Aufhebung ihrer Verbindlichkeit die Bedingung flir die Entstehung des weltweiten Christentums aus den Heiden gewesen ist. Insofern sind gerade diese Fragen seit der Trennung von Israel und Kirche kein eigentliches Problem mehr für beide Seiten. Dass in der interkonfessionellen Polemik vom 16. Jahrhundert an Protestanten den Katholiken vorwerfen, sie hätten mit Sonntagsgebot, Freitagsgebot etc. auf neue Weise unter Christen die alte Gesetzlichkeit wieder aufgerichtet (die alten Normen durch neue «substi¬tuiert»), braucht hier nicht weiter diskutiert zu werden.

  1. Recht und Moral

Was die rechtlichen und moralischen Weisungen der Tora betrifft, so ist auch unter Juden einfach durch die konkrete Rechtsentwicklung klar, dass das so-genannte kasuistische Recht Modelle bietet, die der Entwicklung unterworfen sind. Insofern ist hier an sich ein Streit zwischen Christen und Juden nicht nötig.

Was aber die eigentliche moralische Weisung angeht, die im Dekalog ihren wesentlichen Ausdruck gefunden hat, so gilt von ihr, was der Herr nach der Bergpredigt in Mt 5,17—20 sagt - nämlich cass sie weitergilt, auch wenn sie in neuen Situationen neu gelesen werden muss Aber diese neue Lesung ist nicht Aufhebung und nicht Substitution, sondern Vertiefung in unveränderter Gül¬tigkeit. Hier gibt es tatsächlich keine Substitution.

Seltsam in der gegenwärtigen Situation ist, dass gerade hier auch heute von vielen die Substitution behauptet wird: Die acht Seligkeiten seien an die Stelle der Gebote getreten, die Bergpredigt !öse insgesamt die Moral des Alten Testamentes ab. Ich darf flir die gesamte Frage auf das vierte Kapitel des ersten Bandes meines Buches Jesus von Nazareth (S. 93-160) verweisen. Ein miss¬verstandener Paulinismus ist der Grund flir das Missverständnis, dass hier, in der Grundweisung des christlichen Lebens, eine radikale Substitution vor sich gegangen sei. Tatsächlich ist aber auch bei Paulus völlig klar, dass die morali¬sche Weisung des Alten Bundes, zusammengefasst im doppelten Liebesgebot, flir den Christen in Geltung bleibt, wenngleich im neuen Kontext der Liebe und des Geliebtseins von Jesus Christus. Hier gehen Punkt 1 und 3 bei Paulus ineinander, und dies ist wirklich christliche Neuheit: Der gekreuzigte Christus hat all unsere Schuld getragen. In Israel waren das Opfer des Versöhnungstages und das tägliche Sühnopfer dazu bestimmt, alles Unrecht der Welt aufzufangen

 

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und aufzuheben. Die Tieropfer konnten indes nur eine Gebärde sein, die nach der wirklich versöhnenden Macht ausgriff.

Der alles Leid und alle Schuld der Welt in sich aufnehmende menschge-wordene Sohn Gottes ist nun diese Überwindung. Mit seinem Tod in der Taute verbunden zu sein, bedeutet für den Christen, das Geborgensein in der verzeihenden Liebe Gottes. Es bedeutet aber nicht, dass sein eigenes Leben nun belanglos wäre und die moralische Weisung fiir ihn nicht mehr bestünde. Es bedeutet vielmehr, dass sie in diesem Einssein mit Christus in der inneren Freiheit der Liehe neu gelebt werden kann und muss.

Natürlich wird der Streit um das paulinische Christentum weitergeben, aber teil denke, dass es doch eine neue Klarheit darüber geben sollte, dass die moralische Weisung im Alten und Neuen Bund letztlich identisch ist und dass liier keine eigentliche «Substitution» stattfinden kann.

  1. Der Messias

Die Frage nach der Messianität Jesu ist und bleibt die eigentliche Streitfrage zwischen Juden und Christen,Auch wenn sie als solche nicht aufhören wird, dieTrennung der beiden Wege darzustellen, so bat doch die neuere Erforschung des Alten Testaments auch neue Möglichkeiten des Dialogs eröffnet. Die in der neueren Exegese geschehenen Uindatierungen und Uminterpretationen der großen l loffnungsworte Israels (Gen 49,10; Num 24,17; Sam 7,12-16; Es £19,20—46;Am 9,14f;Jes 7,10-17; 9,1 -6; 11,1 -9; Mi 5,1 -5; Hag 2,20-23; Sacli 4; 8-14 und die verschiedenen Psalmen texte) zeigen eine Vielstimmigkeit und VieJgestalt der Hoffnung, in der die weitgehend politisch bestimmte Gestalt des neuen David - des «Messias-Königs» - nur eine Hoffnungsform unter an¬deren ist. Richtig ist, dass das ganze Alte Testament ein Buch der Hoffnung ist. Aber gleichzeitig gilt, dass diese Hoffnung sich in wechselnden Gestalten aus¬drückt. Richtig ist ferner, dass die Hoffnung immer weniger auf irdische und politische Macht verweist und die Bedeutung der Passion als Wesenseiement der Hoffnung immer mehr in den Vordergrund tritt.

Aus den neuiestamentlichen Zeugnissen über Jesus wird klar, dass er dem Messias-Titel und den damit allgemein verbundenen Vorstellungen kritisch gegenüberstand. Dies wird zum Beispiel sichtbar in einer Bemerkung Jesu zur Davidsohnschaft des Christus im Anschluss an Psalm 110. Jesus erinnert daran, dass die Schrifigelehrten den Christus als Sohn Davids darstellen. Im Psalm aber erscheine der Christus nicht als Davids Sohn, sondern als sein Herr {Mk 12,3 öf). Ahe rauch wo in der werdenden Bekenntnisbildung unter den Jüngern der Titel Christus - Messias auf Jesus angewandt wird, ergänzt und korrigiert Jesus die in diesem Titel sich verbergenden Vorstellungen sofort durch eine Katechese überdas Leiden des Heilbringers (vgl. Mk 8,27-33; Mt 16,13-23).

 

 

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Er selbst hat in seiner Verkündigung nicht an die davidische Tradition ange-knüpft, sondern hauptsächlich an die bei Daniel formulierte Hoffe ungs gestalt des Menschensohnes. Im übrigen ist ihm der Gedanke der Passion, des stell-vertretenden Leidens und Sterbens, der Sühne zentral gewesen. Der Gedanke des leidenden Gottesknechies, des Heils durch die Leiden hindurch, ist ihm wesentlich; Die Gottesknechtslieder des Jesaja, aber auch die geheimnisvollen Leidens Visionen von Sachaija bestimmen sein Bild des I leilsbringers. In diesen Texten sprechen sieb die Glaubenserfahrungen Israels in den Zeiten des Exils und der hellenistischen Verfolgung aus und erscheinen als wesentliche Etappen auf dem Weg Gottes mit seinem Volk, die auf Jesus von Nazareth 2ulaufen. Aber auch Mose, der für sein Volk eintritt und seinen eigenen stellvertretenden Tod anbietet, erscheint transparent auf die Sendung Jesu bin. Peter Kuhn hat in seiner bedeutenden Studie Gottes Selbsterniedrigung in der Theologie der Rabbinen (= StANT 17, München 196R 13,Textl) gezeigt, dass auch dem Judentum der Gedanke der Selbsterniedrigung,ja des Leidens Gottes, nicht fremd ist und dass es bedeutende Annäherungen an die christliche Auslegung der alt testament¬lieben Heilshoffhung gibt, aucli wenn natürlich letzte Unterschiede bleiben.

In den mittelalterlichen Debatten zwischen Juden und Christen wurde üblicherweise häutig von jüdischer Seite Jes 2,2-5 (Mi 4,1-5) als Kern der messianischen Hoffnung zitiert. Vor diesen Worten müsse steh ausweisen, wer immer einen messianischen Anspruch erhebe: *Er spricht Recht im Streit der Völker (...) Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Win-zermesser aus ihren Lanzen. Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk, und übt nicht mehr für den Krieg» (Jes 2,4; Mi 4,3f). Es ist Idar, dass diese Worte nicht erfüllt sind, sondern Erwartung von Künftigem bleiben.

In der Tal bat Jesus die Verheißungen Israels in einem weiträumigeren Ver-stehen gelesen, in dem die Passion Gottes in dieser Welt und so das Leiden des Gerechten immer mehr eine zentrale Stellung ein nimmt. Auch in seinen Bil¬dern des Reiches Gottes dominiert keineswegs einfach der triumphale Akzent; auch sie sind vom Ringen Gottes um und mit den Menschen charakterisiert. Auf dem Acker von Gottes Reich wächst in dieser Zeit das Unkraut zusammen mit dem Weizen und wird nicht ausgerissen. Im FLschernetz Gottes finden sich gute und schlechte Fische. Der Sauerteig von Gottes Reich durchdringt nur langsam von innen her die Welt, um sie zu verwandeln. Im Gespräch mir Jesus erlernen die Jünger auf dem Weg nach Einmaus, dass gerade das Kreuz die we¬sentliche Mitte der Gestalt des Messias sein muss. Der Messias erscheint nicht primär von der königlichen Gestalt Davids her gedacht. Das Johannes-Evan¬gelium als abschließende Zusammenfassung des Dialogs Jesu mit den Juden, in dem sich zugleich schon der künftige Dialog zwischen Juden und Christen spiegelt, hat das Zentrale der Gestalt Jesu und damit der Deutung der I [off-

 

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nun gen Israels anders gelagert: Die wesentliche Aussage über die Gestalt des Verheißenen findet sich für Johannes im Zusammenhang mit der Gestalt des Mose:«Einen Propheten wie mich wird der E lerr, dein Gott, aus deiner Mitte [...] erstehen lassen. Au film sollt ihr hören» (Dtn 18,15). Kennzeichnend für die Gestalt des Mose wiederum ist, dass er mit dem E lerrn «von Angesicht 2U Angesicht verkehrt hatte* (Dtn 34,10). Das Deuteronomium selbst bemerkt dazu, dass die Verheißung bisher unertüllt geblieben ist und dass «kein Prophet mehr in Israel aufgetreten ist wie Mose, mit dem der I lerr von Angesicht zu Angesicht verkehrt hat» (Dtn 34,10). E3ass diese noch wartenden Worte nun in Jesus erfüllt sind, sagt Johannes programmatisch im ersten Kapitel seines Evan¬geliums: * Niemand hat Gott jemals gesehen. Der eingeborene Gott, der am Schoß des Vaters ist, hat uns davon erzählt» (Joh 1,1H; vgl. 13,25).Wir können also in einem ersten Anlauf sagen, dass Jesus nicht unmittelbar die vollendete neue Welt des Friedens bringen wollte, wie sie in Jes 2 und Mi 4 vorhergesagt ist, sondern den Menschen, auch den I leiden, Gott zeigen wollte und ihnen seinen Willen eröffn eie, der die wahre Erlösung des Menschen ist.

In meiner Analyse der eschatologischen ELede Jesu im zweiten Band mei¬nes Buches Jesus von Nazareth (5. 39-68) habe ich gezeigt, dass nach dem Ge¬schichtsbild Jesu eine «Zeit der Heiden» zwischen der Tempel Zerstörung und dem Ende der Weh kommen wird, deren Länge zunächst natürlich als ganz kurz angesehen wurde, aber als Teil der Geschichte Gottes mit den Menschen wesentlich ist (S. 57—61).Auch wenn diese Periode im Handeln Gottes mit der Welt als solche nicht direkt in den alttesiamentlichen Texten fesi2ustellen ist, so entspricht sie doch der Entfaltung der Hoffnung Israels, wie sie sich in der späten Zeit (Deutero-Jesaja, Sacliaija eic.) immer deutlicher vollzieht.

12er heilige Lukas erzählt uns, dass Jesus, der Aufersiandene, auf dem Weg mit zwei Jüngern sie zugleich einen inneren Weg führte. Er liest gleichsam mit ihnen das Alte Testament neu. So lernen sie, Verheißungen und Hoffnungen Israels und die Gestalt des Messias ganz neu zu versieben. Sie entdecken, dass gerade das Geschick des Gekreuzigten und Auferstandenen, der geheimnisvoll mit den Jüngern unterwegs ist, in den Büchern vorgezeichnet ist. Sie lernen eine neue Lektüre des Alten Testaments. Dieser Text beschreibt die Gestalt¬werdung des christlichen Glaubens im ersten und zweiten Jahrhundert und beschreibt damit einen Weg, der immer neu zu suchen und zu begehen ist. Er beschreibt damit im Grunde auch das Gespräch zwischen Juden und Christen, wie es bis heute stattfinden sollte und leider nur in seltenen Augenblicken wenigstens angeklungen ist.

E2eti Vätern war diese neue Gliederung der Geschichte durchaus bewusst, so etwa wenn der Aufstieg der Geschichte im Dreier-Schema von umbra - iniago - veritas geschildert wurde. Die Zeit der Kirche («Zeit der Heiden») ist

 

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noch nicht Ankunft in der offenen veritas (=Jes 2 und Mi 4). Sie ist noch iinago, das heißt noch Stellen im Vorläufigen, wenn auch in einer neuen Offenheit. Bernhard von Clairvaux hat diesen Sachverhalt rieinig dargestellt, wenn er die Rede von der zweifachen Ankunft Christi in eine dreifache Anwesenheit des I lerrn uniwandelt und die Zeit der Kirche als einen Adwiittts inediits benennt iJesus von \\izareth //, S. 316).

Zusanimenfassend können wir sagen, dass die ganze Geschichte Jesu, wie sie das Neue Testament erzählt, von dem Bericht über die Versuchungen bis zur Emmaus-Geschichie zeigt, dass die Zeit Jesu, die «Zeit der Meiden», nicht eine Zeit einer kosmischen Umwandlung ist, in der die endgültigen Entschei¬dungen zwischen Gott und Mensch schon gefallen sind, sondern eine Zeit der Freiheit. In ihr begegnet Gott den Menschen durch die gekreuzigte Liebe Jesu Christi, um sie in einem freien Ja zum Reich Gottes zu versammeln. Es ist die Zeit der Freiheit, und das heißt auch Zeit, in der weiterhin das Böse Macht hat. Gottes Macht ist in dieser ganzen Zeit eine Macht der Geduld und der Liebe, der gegenüber die Macht des Bösen wirksam bleibt. Es ist eine Zeit der uns oft allzu groß erscheinenden Geduld Gottes - eine Zeit der Siege, aber auch der Niederlagen der Liebe und der Wahrheit. Die alte Kirche hat das Wesen dieser Zeit zusammen gefasst in dem Won: «Regnavit a Jigno Deus.» Im Unterwegs¬sein mit Jesus wie die Emmaus-Jünger lernt die Kirche immerfort das Alte Testament mit ihm zu lesen und so neu zu verstehen. Sie lernt zu erkennen, dass gerade dies über den »Messias» vorausgesagt ist und soll im Dialog mit den Juden immer wieder zu zeigen versuchen, dass dies alles flschriftgemäß» ist. Deswegen hat die geistliche Theologie immer betont, dass die Zeit der Kirche nicht etwa das Angekommensein im Paradies bedeutet, sondern dem 40-jübri¬gen Exodus Israels weltweit entspricht. Es ist der Weg der Befreiten. Wie Israel in der Wüste immer wieder daran erinnert wird, dass sein. Gehen in der Wüste Folge der Befreiung aus der Knechtschaft Ägyptens ist; wie Israel unterwegs immer wieder die Rückkehr nach Ägypten wünschte, das Gut der Freiheit nicht als Gut erkenneti konnte, so gilt es auch für die Christenheit auf ihrem Exodus-Weg: Das Geheimnis der Befreiung und. der Freiheit als Geschenk der Erlösung zu erkennen, wird den Menschen immer wieder schwer, und sie wollen hinter die Befreiung zurück. Aber immer wieder dürfen sie durch die Erbarmungen Gottes auch lernen, dass Freiheit das große Geschenk zum wahren Leben hin ist.

  1. Die Landverhejßung

Die Landverheißung ist konkret den Kindern Abrahams als einem Volk in der Geschichte zugedacht. Die Christen verstehen sich zwar als wirkliche Nach¬kommen Abrahams, wie vor allem der Galater-Brief es eindrücklich darstellt,

 

400                      Joseph Ratzinger • Benedikt XVI.

aber nicht als ein Volk im irdisch-geschichtlichen Sinn. Da sie ein Volk in allen Völkern sind, erwarten sie als solches kein bestimmtes Land in dieser Welt. Der Hebräer-Brief hat dieses Verständnis der Landverheißung ausdrücklich dargestellt: «Aufgrund des Glaubens hielt er (Abraham) sich als Fremder im verheißenen Land wie in einem fremden Land auf und wohnte mit [...] den Miterben derselben Verheißung in Zelten; denn er erwartete die Stadt [...], die Gott selbst geplant und gebaut hat» (Hebr 1 l,9f). «Voll Glauben sind diese alle gestorben, ohne das Verheißene erlangt zu haben; nur von fern haben sie es geschaut und gegrüßt und haben bekannt, dass sie Fremde und Gäste auf Erden sind* (Hebr 11,13). Der Diognet-Brief hat diese Sichtweise weiter aus- gefiihrt: Die Christen leben in ihren jeweiligen Ländern als verantwordiche Mitbürger und wissen doch, dass die eigendiche Stadt, das eigentliche Land, worauf sie zugehen, künftig ist. Die Landverheißung bezieht sich auf die künf¬tige Welt und relativiert die verschiedenen Zugehörigkeiten zu bestimmten Ländern. Die Dialektik von verantwortlicher Zugehörigkeit zu dieser Welt und gleichzeitigem Unterwegssein bestimmt das christliche Verständnis von Land und Volk und muss freilich immer wieder neu erarbeitet, erlitten und erlebt werden.

Demgegenüber hat das Judentum an dem Gedanken der konkreten Ab-stammung von Abraham festgehalten und so irgendwie notwendig eine kon-krete innerweltliche Sinngebung für die Landverheißung immer wieder neu suchen müssen.

Das Scheitern des von Teilen des Rabbinats theologisch unterstützten Auf¬stands von Bar Kochba (132-135 n.Chr.) bedeutet freilich auf lange Zeit hinaus einen Verzicht auf solche Formen des politischen Messianismus. Demgegen¬über hat Maimonides (1135-1204) eine neue Richtung eingeleitet, insofern er die Erwartung des Landes aus dem Theologischen herauszuiiihren versuchte, um ihr eine rationale Gestalt zu geben. Eine konkrete Wirklichkeit ist daraus allerdings erst im 19. Jahrhundert entstanden. Das Leiden der großen jüdischen Minderheit in Galizien wie überhaupt im Osten wurde fiir Theodor Herzl Ausgangspunkt zur Gründung des Zionismus, der darauf abzielte, den heimat¬losen, armen und leidenden Juden wieder Heimat zu schenken. Die Ereignisse der Schoa machten einen eigenen Staat fiir die Juden noch dringlicher; in dem verfallenden Osmanischen Reich, dem das Heilige Land zugehörte, musste es möglich sein, die historische Heimstätte der Juden neu zu ihrem Land zu machen. Dabei reichte der Radius der inneren Begründungen und der kon¬kreten Vorstellungen sehr wreit. Ein Großteil der Zionisten war nicht gläubig und hat das Land unter säkularisierten Voraussetzungen zu einer Heimat fiir das jüdische Volk zu machen versucht. Aber auch religiöse Kräfte waren im Zionismus immer wirksam, und zur Überraschung der agnostischen Väter hat

 

Gnade und Berufung ohne Reue                      401

sich in der neuen Generation nicht selten eine Zuwendung zur Religion voll¬zogen. Die Frage, wie man das zionistische Projekt beurteilen solle, war auch in der katholischen Kirche umstritten. Dass eine theologisch verstandene Land¬nahme im Sinne eines neuen politischen Messianismus unannehmbar sei, war allerdings von Anfang an die herrschende Position. Nach der Errichtung des Landes Israel 1948 bildete sich eine theologische Lehre heraus, die schließlich die politische Anerkennung des Staates Israel durch den Vatikan ermöglichte. Ihr Kern besteht in der Überzeugung, dass ein im strengen Sinn theologisch verstandener Staat, ein jüdischer Glaubensstaat, der sich als die theologische und politische Erfüllung der Verheißungen ansehen würde, nach christlichem Glauben innerhalb unserer Geschichte nicht denkbar ist und im Widerspruch zum christlichen Verständnis der Verheißungen stünde. Zugleich aber wurde klargestellt, dass das Volk der Juden wie jedes Volk einen naturrechtlichen An¬spruch auf ein eigenes Land besitze. Wie eben schon angedeutet, lag es nahe, den Ort dafür im historischen Lebensraum des jüdischen Volkes zu finden, der in der politischen Situation des zerfallenden Osmanischen Reiches und des britischen Protektorats auf eine dem Standard internationalen Rechts gemäße Weise gefunden werden konnte. In diesem Sinn hat der Vatikan den Staat Israel als einen modernen Rechtsstaat anerkannt und sieht in ihm eine rechtmäßige Heünat des jüdischen Volkes, deren Begründung freilich nicht unmittelbar aus der Heiligen Schrift abgeleitet werden kann, aber dennoch in einem weiteren Sinn die Treue Gottes zum Volk Israel ausdrücken darf.

Der nicht-theologische Charakter des jüdischen Staates bedeutet allerdings, dass in ihm nicht die Verheißungen der Heiligen Schrift als solche als erfüllt angesehen werden können. Vielmehr zeigt der Gang der Geschichte ein Wach¬sen und Sichentfalten der Verheißungen, wie wir es auch bei deren übrigen Inhalten gesehen hatten. Schon in der ersten großen Zerstreuung Israels unter König Nebukadnezzar war mitten im Gericht die Liebe Gottes zu seinem Volk am Werk und gab der Zerstreuung eine neue, positive Bedeutung. Erst im Exil wurde das Gottesbild Israels, der Monotheismus, vollständig entwickelt, denn nach den üblichen Maßstäben war ein Gott, der sein Land nicht verteidigen hatte können, kein Gott mehr. Dem Spott der Völker gegenüber, die Israels Gott als besiegt und landlos darstellten, zeigte sich nun, dass gerade im Wegge¬ben des Landes die Göttlichkeit dieses Gottes aufleuchtete, der nicht nur Gott eines bestimmten Landes war, sondern dem die Welt als Ganze gehörte. Er verfügte über sie und konnte sie von seinem Willen her je auch neu verteilen. So hat Israel in der Verbannung endgültig erkannt, dass sein Gott ein Gott über den Göttern ist, der über Geschichte und Völker frei verfügt.

Die hellenistische Verfolgung des Judentums beruhte zwar ihrer eigenen Auffassung nach auf einem aufgeklärten Gottesbild, das für alle gebildeten

 

402                      Joseph Ratzin^er - Benedikt XVI.

Menschen im Prinzip einheitlich sein sollte, so dass für die Sonderlichkeiten und den Sendungsanspruch des Gottes Israels kein Raum blieb. Aber gerade in der Auseinander Setzung zwischen dem griechischen Polytheismus und dem einen Gott des E Himmels und der Erde, dem Israel diente, ist unter den Gott su¬chenden Menschen der Antike eine unerwartete Zuwendung zum Gott Israels erfolgt, deren konkreter Ausdruck sicli in der Bewegung der «Gottestürchti- gen» fand, die sich um die Synagogen sammelten. In meiner Dissertation Volk und Haus Gottes bä Augustin habe ich die innere Begründung dieses Vorgangs im Anschluss an die Analysen Augustins weiter zu verdeutlichen versucht. Den Kern des Ganzen kann man vielleicht verkürzt so darsteilen: Das antike I Den¬ken war schließlich zu einer Entgegensetzung des in den Religionen verehrten Göttlichen und dem realen Aufbau der Welt gekommen, in dem die religiösen Gottheiten als letztlich irreal verwerten werden mussten und die reale Macht, die die Welt geschaffen hatte und durchdrang, als religiös irrelevant erschien.

In dieser Situation erschien der jüdische Gott, der eben die Urmacht alles Seins dar stellte, wie sie die Philosophie gefunden hatte, zugleich als religiöse Kraft, die diesen Menschen an redet und in der der Mensch dem Göttlichen begegnen kann.

Dieser Zusammenfall von philosophischer Idee und religiöser Wirklichkeit war etwas Neues und konnte Religion wieder zu einer auch rational vertret¬baren Wirklichkeit machen. Im Weg stand nur die Bindung des Gottes an ein einziges Volk und seine Rechtsordnungen. Wenn — wie in der Verkündigung Pauli - diese Bindung gelöst und so der Gott der Juden von allen als ihr Gott angesehen werden konnte, war die Versöhnung von Glaube und Vernunft ge¬glückt (vgl. auch mein kleines Buch Der Gott des Glaubens und der Gort der Philosophen).

Aut’diese Weise haben die Juden gerade durch ihre endgültige Zerstreuung in der Welt die Tür zu Gott geöffnet. Ihre Diaspora ist nicht bloß und nicht primär ein Zustand der Strafe, sondern bedeutet eine Sendung.

/V. Der mlie gekündigte Bund»

Mit allem bisher Gesagten haben wir Stellung genommen zu dem ersten Grundelement des neuen Konsenses in Sachen Christentum - Judentum, wie er dar gestellt ist in den von der Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum herausgegebenen Reflexionen. Dieses erste Grundelement be¬sagt, dass tür das Verhältnis Judentum - Christentum die flSubstkutionstheorie* nicht geeignet sei. Wir haben diese These an den Grundel erneuten studiert, in denen sich die Erwählung Israels vor allem dar stellt, und sind dabei zu dem

 

Gnade und Berufung ohne Reue                      403

Ergebnis gekommen, dass die Kritik der Substitutionstheorie zwar in die rich¬tige Pachtung weist, aber im einzelnen neu bedacht werden muss. Nunmehr müssen wir uns dem zweiten Element dieses neuen Konsenses zuwenden, das heißt der Rede vom «nie gekündigten Bund».

Die erwähnten «Reflexionen» machen darauf aufmerksam, dass die These, dass «der Bund, den Gott mit seinem Volk Israel geschlossen hat, bestehen bleibt und nie ungültig wird* (S. 42) nicht in Nostfd detatc enthalten ist, son¬dern erstmals von Johannes Paul IL am 17. November 1980 in Mainz ausge¬sprochen wurde. Sie ist danach in den * Katechismus der katholischen Kirche» au ('genommen worden {Nr. 121) und gehört insofern in gewissem Sinn zur heutigen Lehrgestalt der katholischen Kirche.

Wie im Fall der Kritik der Subsiituiionstheorie so ist auch hier der Kern des Gesagten als richtig anzusehen, aber im einzelnen doch noch vieler Prä-zisierungen und Vertiefungen bedürftig. Da ist zunächst einmal festzustellen, dass Paulus in Rom 4 bei der Aufzählung der besonderen Gaben Israels nicht vom «Bund», sondern von «den Bünden* spricht. In der Tat ist es verfehlt, wenn Bund in unserer Theologie im allgemeinen nur in der EinzaJü oder auch nur in der strengen Gegenüberstellung von Altem (Erstem) und Neuem Bund gesehen wird. Für das Alte Testament ist «Bund* eine dynamische Realität, die sich in einer sich entfaltenden Reibe von Bünden konkretisiert. Ich erwähne als Hauptgestalten den Noe-Bund, den Abrahams-Bund, den Mose-Bund, den Davids-Bund und schließlich in verschiedenen Gestalten die Verheißung des Neuen Bundes.

Zum Davids-Bund nehmen der Matthäus-Prolog und die Kindheitsge- scLichte des heiligen Lukas Stellung. Beide zeigen je auf ihre Weise, wie der Bund von seiten des Menschen gebrochen ist und zu Ende gegangen war, wie aber Gott aus dem Baumstumpf Isais ein Reis hervorwachsen lässt, in dem der Bund von Gott her neu beginnt (vgl.Jes 11,1). Die davidisclie Dynastie geht wie alle irdischen Dynastien unter. Und doch erfüllt sich die Verheißung: Sei¬nes Reiches wird kein Ende sein (Lk 1,33).

Für unsere Frage ist der Galater-Brief wichtig, der im 3. und 4. Kapitel ei¬nen Vergleich von Abrahams- und Mose-Bund anstellt. Vom Abrahams-Bund wird gesagt, dass er universal und ohne Bedingung gewährt ist. Der Mose¬Bund sei demgegenüber 430 Jahre später erlassen worden. Er sei begrenzt und an die Bedingung der Geseizeserfüllung gebunden. Das bedeutet aber auch, dass er scheitern kann, wo die Bedingungen nicht erfüllt werden: Er hat eine Zwischenfunktion, bebt aber die Endgültigkeit und Universalität des Abra-hams-Bundes nicht auf.

Eine neue Stufe der Bundestheologie finden wir im Hebräer-Brief, der die bei Jer 31 besonders leuchtend autklingende Verheißung des neuen Bundes

 

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aufhimmt und ihn den bisherigen Bünden gegenüberstellt, die er alle unter dem Stichwort des «ersten Bundes» zusammen fasst, der nun durch den endgül¬tigen, «neuen» Bund abgelöst ist.

Das Thema des neuen Bundes erscheint in verschiedenen Variationen auch bei Jeremia, Ezechiel, Deutero-Jesaja und Hosea. Besonders eindrucksvoll ist die Schilderung der Liebesgeschichte zwischen Gott und Israel im 16. Kapitel von Ezechiel. Gott nimmt Israel in der Zeit seiner fugend liebevoll an sich in seinem Bund der Liebe, der endgültig sein soll. Israel hält die Treue nicht und prostituiert sich mit allen möglichen Gottheiten. Gottes Zorn darüber ist nicht sein letztes Wort, sondern er nimmt es in einem neuen und nicht mehr zerstörbaren Bund an sich. An dem Wort vom «nie gekündigten Bund», das wir untersuchen, ist richtig, dass es keine Kündigung von seiten Gottes gibt.Wohl aber gehört zur realen Geschichte Gottes mit Israel der Bundesbruch von sei¬ten des Menschen, dessen erste Gestalt im Buch Exodus beschrieben wird. Die lange Abwesenheit des Mose wird für das Volk zum Anlass, sich selbst einen sichtbaren Gott zu geben, den es anbetet: »Das Volk setzte sich zum Essen und Trinken und stand auf, um sielt zu vergnügen» (Ex 32,6). Der zurückgekehrte «Mose sah, wie verwildert das Volk war* (Ex 32,25). Mose schleuderte ange-sichts des gebrochenen Bundes die von Gott selbst beschriebenen Tafeln fort und zerbrach sie (Ex 32,19). Gottes Erbarmen schenkte Israel zwar die Tafeln zurück, aber sie sind immer als Ersatz tafeln zugleich auch Warnzeichen, die an den gebrochenen Bund erinnern.

Was bedeutet das für unsere Frage? Die Bundesgeschichte zwischen flott und Israel ist einerseits durch die Kontinuität von Gottes Wahl als unzerstörbar getragen, aber zugleich durch das ganze Drama menschlichen Versagens mit- besiimmt. Freilich kann das Won «Bund» bei der unendlichen Verschiedenheit der Bundespartner nicht im Sinn gleichmäßiger Partner aufgefasst werden. Die Ungleichheit der beiden Partner lässt den Bund eher nach dem orientalischen Modell in der Weise von Gewährungen durch den Großkönig erscheinen. Dies drückt sich auch in der sprachlicheti Form aus, in der nicht das partnerschaft-liche Wort Syittitelte, sondern statt dessen Diathekc gewählt ist, weswegen der Hebräerbrief nicht von «Bund», sondern von »Testament» spricht. Demgemäß heißen die heiligen Bücher allgemein nicht Alter und Neuer Bund, sondern Altes (Erstes) und Neues Testament.

I Jer ganze Weg Gottes mit seinem Volk findet schließlich seine Zusam-menfassung und endgültige Gestalt im Abendmahl Jesu Christi, das Kreuz und Auferstehung vorwegnimmt und in sich trägt. Auf die komplizierten Probleme der Gestaltwerdung der beiden Überlieferungstypen - Markus und Matthä¬us einerseits sowie Lukas und Paulus andererseits — brauchen wir hier nicht

 

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einzugehen. Zum einen wird die Sinai-Tradition aufgenommen. Was dort ge-schehen ist, vollzieht sidi endgültig hier, und so wird hier die Verheißung des neuen Bundes von J er 31 Gegenwart: Der Sinai-Bund war seinem Wesen nach immer schon Verheißung, Zugehen auf das Endgültige. Nach allen Zerstö¬rungen ist es die his zum Tod des Sohnes gehende Liebe Gottes, die selbst der neue Bund ist.

Versuchen wir nun ein abscidießendes Urteil über die Formel vom «nie gekündigten Bund» zu finden.Wir hatten zunächst zwei sprachliche Einwände erheben müssen: Das Wort «kündigen» gehört nicht zum Vokabular des göttli-chen Handelns. «Bund» ist der in der Bibel beschriebenen Geschichte Gottes mit den Menschen nicht eine Einzahl, sondern ereignet sich in Stufen. Nun müssen wir über diese formalen Einwendungen hinaus inhaltlich kritisch sa¬gen, dass sie das reale Drama der CJeschichte zwischen Gott und den Menschen nicht ins Wort bringt. Ja, Gottes Liebe ist unzerstörbar. Aber zur Bundesge-schichte zwischen Gott und Mensch gehört auch das menschliche Versagen, der Bruch des Bundes und dessen innere Folgen: Tempel Zerstörung, Zerstreu¬ung Israels, der Ruf in die Buße hinein, der den Menschen neu des Bundes fähig macht. Die Liebe Gottes kann nicht einfach das Nein des Menschen ignorieren. Es verletzt ihn selbst und so notwendig auch den Me tischen. Wenn in den Prophet en-Büchern ebenso wie auch in der Tora Gottes Zorn und die ganze Härte seiner Strafen geschildert werden, so muss man doch gegenwärtig halten, dass Gottes strafendes I landein für ihn selbst zum Leiden wird. Es ist nicht das Ende seiner Liebe, sondern eine neue Stufe davon. Ich möchte hier nur einen Text zitieren, an dem dieses Ineinander von Zorn und Liebe und darin die Endgültigkeit der Liebe deutlich wird. Nach all den Drohungen, die vorangegangen waren, erscheint in I los 11,7-9 die rettende Liebe Gottes in ihrer ganzen Größe: «Mein Volk verharrt Ln der Treulosigkeit; sie rufen zu Baal, doch er hilft ihnen nickt auf. Wie könnte ich dich preisgeben, Ephraim, wie dich aufgeben, Israel? Mein llerz wendet sieb gegen mich, mein Mitleid lo¬dert auf. Ich will meinen glühenden Zorn nicht vollstrecken und Efraim nicht noch einmal vernichten.* Zwischen der Schuld des Menschen und der Dro¬hung der endgültigen Bundeszerstörung liegt das Leiden Gottes: -Mein I lerz wendet sich gegen mich [...] Denn ich bin Gott,nicht ein Mensch [...], darum komme ich nicht in der E litze des Zorns.» Was hier groß und erschütternd gesagt wird, ist realisiert in den Abendmahlsworten Jesu: Er gibt sich selbst in den Tod und öffnet so in der Auferstehung den neuen Bund.

Die Umstiftung des Sinai-Bundes in den neuen Bund im Blute Jesu, das heißt in seiner den Tod überwindenden Liebe, gibt dem Bund eine neue und für immer gültige Gestalt. Jesus antwortet damit im voraus auf die zwei ge-schichtlichen Ereignisse, die kurz danach in der Tat die Situation Israels und die

 

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Joseph Ratzinger- Benedikt XVI.

konkrete Form des Sinai-Blindes grundlegend geändert haben: die Zerstörung de*Tempels, die sich immer mehr als unwiderruflich erwies, und die Zerstreu¬ung Israels in einer weltweiten Diaspora. Hier rühren wir an das «Wesen» des Christentums und an das «Wesen» des Judentums, das seinerseits in Talmud und Misehna eine Antwort aut" diese Ereignisse entwickelt hat. Wie kann nun der Bund gelebt werden? Dies ist die Frage, die die konkrete Realität des Alten Testaments in zwei Wege,Judentum und Christentum, getrennt hat.

Die Formel vom «nie gekündigten Bund» mag in einer ersten Phase des neuen Dialogs zwischen Juden und Christen eine Hilfe gewesen sein, taugt aber nicht auf Dauer, um die Größe der Wirklichkeit einigermaßen angemes¬sen auszudrücken. Wenn man Kurzfomieln für notwendig hält, so würde ich vor allem aut" zwei Worte der Heiligen Schrift verweisen, in denen sich das Wesentliche gültig ausdrückt. In Bezug auf die Juden sagt Paulus: *Reuelos (unwiderruflich) sind Gnade und Berufung, die Gott gewährt- (Rom 11,29). Zu allen sagt die Schrift: «Wenn wir standhaft bleiben, werden wir auch mit ihm herrschen; wenn wir ihn verleugnen, wird auch er uns verleugnen. Wenn wir untreu sind, bleibt er doch treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen - (2 Tim 2,12f).

  1. Oktober 2017 Joseph Ratzinger- Benedikt XVI.

Abstract

.'tjjjjiifirrro'jji itw Trealis? "Et- ludatris*. In this drticlc the Ptypi emeritus Benedikt XVI- drvrJops stYeral reniarki ctHiccrnijig the christijn duilogue with jLitLusni.Ttie pccasüm Ls i dneument puhlis- tied in 2015 bv the Vaücan rnmniminn üir Religious Relation* with the Jews: «(The Gifts and the Caliing of God are irrevoeable»   11:29). A rrflrmnn on tbeoldgicil questittns pertammg to

catholic—invish rclations on th-c genuno of the 50th annivtrsjry of (ntHtra ae-tate? (nQ.4)-.

JvtyuurtJj: fmi^Orriflün diahgut — Utiain II — roirjjirjjt iheotogy — jrrta/rfrrldfpr — /du-1 - Sciiple — mit - Mrssiah — Otd UPTIJ New tTvn-vpr^rjj r

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Józefa Ratzingera - Benedykta XVI. Łaska i wołanie bez wyrzutów sumienia

 PUSTY

Uwagi do traktatu „De ludae”

Gf / ntowf van Kart Cardinal Koch

Deklaracja Soboru Watykańskiego II w sprawie stosunku Kościoła do tych religii niechrześcijańskich uNostra aetate*, której artykuł czwarty jest poświęcony waszemu judaizmowi, została opublikowana na Listopad 1965 z niemal moralną jednomyślnością Ojców Soborowych i zaakceptowaną przez bł. Papieża Pawła VI. prozemulgowany. Zwłaszcza w czwartym artykule doradca soboru Joseph Ratzinger ocenił, że w stosunkach między Kościołem a Izraelem otworzyła się „nowa karta w księdze wzajemnych stosunków” (ostatnia sesja soboru, Köhl 1% 6,68). Z okazji rocznicy ogłoszenia „Nostra aeta-tc” Watykańska Komisja ds. Stosunków Religijnych z Judaizmem wydała nowy dokument zatytułowany „Dean unmifiich to łaska i małżeństwo udzielone*” (Rönr 11, 29). Dokument ten został udostępniony opinii publicznej, aby „być punktem wyjścia do dalszej refleksji teologicznej, aby teologiczny wymiar dialogu żydowsko-katolickiego został wzbogacony i wzmocniony”.

Papież emeryt Benedykt XVI otrzymał to zaproszenie. Napisane w sympatycznych, hojnych i obszernych komentarzach na temat uzależnionego „De Iudaeis*”. Te komentarze nie są oczywiście przeznaczone dla publiczności. Papież Benedykt XVI wręczył mi go jako przewodniczącemu Komisji Watykańskiej do użytku osobistego, kiedy pozwolono mi go ponownie odwiedzić jesienią ubiegłego roku. Po dokładnym przestudiowaniu tekstu doszedłem do przekonania, że ​​zawarte w nim refleksje teologiczne powinny zostać włączone do przyszłej rozmowy między Kościołem a Izraelem. Mam zatem Papieża Benedykta XVI. poprosił o opublikowanie jego tekstu w oConimunio”. Jestem wdzięczny, że udało mi się przekonać papieża Benedykta XVI. wyrazić zgodę. Ponieważ jego refleksje są ważną odpowiedzią na zaproszenie Komisji Watykańskiej do pogłębionego dialogu teologicznego między Kościołem katolickim a waszym judaizmem, które Józef Ratzinger – l* apst Benedykt XVI. zawsze chodziło o ogrzewanie. Jestem przekonany, że ten artykuł wzbogaci żydowsko-katolicką rozmowę.

 

/. Teologiczne znaczenie dialogu między Żydami a chrześcijanami”

Od Auschwitz stało się jasne, że Kościół musi na nowo zająć się kwestią istoty judaizmu. * W swojej deklaracji Nać Tja aetate Vaticanum H dał pierwsze podstawowe instrukcje w tej sprawie. Oczywiście najpierw trzeba sprecyzować, o czym jest traktat o Żydach. Słusznie chwalona książka Franza Mußnera na ten temat jest w istocie książką o trwałym pozytywnym znaczeniu Starego Testamentu. Jest to niewątpliwie bardzo ważne, ale nie odpowiada tematowi De Iudaeis. Albowiem pod pojęciem „judaizmu” we właściwym znaczeniu nie można błędnie interpretować Starego Testamentu, który w gruncie rzeczy łączy Żydów i chrześcijan. W historii są raczej dwie odpowiedzi na zniszczenie świątyni i nowe, radykalne wygnanie Izraela: judaizm i chrześcijaństwo. To prawda, że ​​Izrael kilkakrotnie musiał doświadczyć sytuacji zniszczenia świątyni i rozproszenia, ale za każdym razem może też liczyć na odbudowę świątyni i powrót do domu do ziemi obiecanej. Tak było w konkretnej sytuacji po zniszczeniu świątyni w 70 rne. i wreszcie po porażce Bar Koclibas inny. W zaistniałej sytuacji należało założyć, że zniszczenie świątyni i rozproszenie Izraela będzie trwało co najmniej bardzo długo, a w końcu w trakcie rozwoju stawało się coraz bardziej jasne, że świątynia wraz ze swoim kultem nie może zostać przywrócone, nawet jeśli pozwalała na to sytuacja polityczna. Ponadto dla Żydów była odpowiedź na zniszczenie i rozproszenie, które od początku zakładało, że jest to ostateczna i wynikająca z tego sytuacja jako proces oczekiwany od wiary samego Izraela: jest to reakcja chrześcijan, którzy początkowo nie byli całkowicie oddzieleni od judaizmu, ale raczej ciągłość Izraela twierdziła wytrwać w swojej wierze. Jak wiemy, tylko stosunkowo niewielka część Izraela była w stanie zaakceptować tę odpowiedź, podczas gdy większa część opierała się jej i musiała szukać rozwiązania w inny sposób. Trzeba przyznać, że te dwie ścieżki nie były od początku wyraźnie od siebie oddzielone, więc w toku sporu wciąż się rozwijały. ale twierdzili, że utrzymują ciągłość Izraela w swojej wierze. Jak wiemy, tylko stosunkowo niewielka część Izraela była w stanie zaakceptować tę odpowiedź, podczas gdy większa część opierała się jej i musiała szukać rozwiązania w inny sposób. Trzeba przyznać, że te dwie ścieżki nie były od początku wyraźnie od siebie oddzielone, więc w toku sporu wciąż się rozwijały. ale twierdzili, że utrzymują ciągłość Izraela w swojej wierze. Jak wiemy, tylko stosunkowo niewielka część Izraela była w stanie zaakceptować tę odpowiedź, podczas gdy większa część opierała się jej i musiała szukać rozwiązania w inny sposób. Trzeba przyznać, że te dwie ścieżki nie były od początku wyraźnie od siebie oddzielone, więc w toku sporu wciąż się rozwijały.

Wspólnota, która powstała po orędziu, życiu, cierpieniu i krzyżu Jezusa z Nazaretu, początkowo przeniknęła do Izraela, jak pokazują Dzieje Apostolskie. Jednak następnie stopniowo rozszerzyła swoje głoszenie na regiony greckie i w trakcie tego procesu coraz bardziej popadała w konflikt z Izraelem. Istotne dla tego procesu jest zakończenie Dziejów Apostolskich, po których Paweł ponownie zaczął od Żydów w Rzymie i użył ich do interpretacji

 

Łaska i powołanie bez skruchy 389

Pismo Święte próbowało przezwyciężyć wydarzenie Jezusa, ale spotkało się z odrzuceniem, które znalazło przepowiedziane w 6:9-10.Jeśli rozdział dwóch wspólnot tutaj wydaje się być całkowity, to bez wątpienia trwało to znacznie dłużej gdzie indziej, tak że dialog trwał, a obie strony nadal walczyły ze sobą.

Wspólnota chrześcijańska wyraziła swoją tożsamość w pismach Nowego Testamentu, z których większość powstała w drugiej połowie I wieku. Jednak minęło jeszcze trochę czasu, zanim razem urosli do kanonu, który był wówczas ostatecznym dokumentem tożsamości chrześcijańskiej. Pisma te nie stoją jednak same w sobie, lecz konsekwentnie odnoszą się do „Starego Testamentu”, czyli do Biblii Izraela. Jego celem jest ukazanie autentycznej interpretacji pism Starego Testamentu w wydarzeniach związanych z Jezusem Chrystusem. Istota kanonu chrześcijańskiego składa się z dwóch części: „Starego Testamentu”, pism Izraela, a obecnie judaizmu oraz „Nowego Testamentu**, który od Jezusa autentycznie wyjaśnia sposób interpretacji Starego. Obie społeczności pozostają więc wspólne z „starożytnymi pismami plemiennymi”, choć różnie interpretowanymi. Ponadto greckie tłumaczenie ksiąg Starego Testamentu, tzw. Septuaginta, które powstało około III wieku pne, zostało uznane przez chrześcijan za kationowe obok Biblii Hebrajskiej. Pod tym względem kanon chrześcijański był obszerniejszy niż kanon żydowski. Poza tym w niektórych przypadkach istnieją nie całkiem nieznaczne różnice między Septuagintą a tekstem hebrajskim. Z kolei judaizm nadał tekstowi hebrajskiemu ostateczny kształt w okresie stopniowego wzajemnego wykluczania się. Ponadto w pierwszych wiekach po Chrystusie sformułował swój sposób czytania pism świętych w Misznie i Talmudzie. Nic z tego nie zmienia niczego

W drugiej połowie II wieku Marcion próbował zerwać tę jedność swoim ruchem, aby judaizm i chrześcijaństwo stały się dwiema przeciwnymi religiami. Z tego z jego siedmiu Markion stworzył kanon Nowego Testamentu, który jest w ostrym kontraście z Biblią Izraela. Bóg Izraela (Ahes Testament) i Bóg Jezusa Chrystusa (Nowy Testament) to dwa różne, przeciwstawne bóstwa. Bóg Starego Testamentu jest Bogiem bezlitosnej sprawiedliwości; z drugiej strony Bóg Jezusa Chrystusa jest Bogiem miłosierdzia i miłości. W związku z tym Marcion stworzył nowy kanon testamentu z Ewangelii Łukasza i dziesięciu listów Pawła, nad którymi oczywiście trzeba było popracować, aby poradzić sobie z

 

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Joseph Rat2iiiE.er – Benedykt XVI.

służyć danemu celowi. Markion został ekskomunikowany z Kościoła w Rzymie po krótkim okresie działalności, a jego religia została wykluczona jako nienależąca do chrześcijaństwa. Pokusa marcjonitów nadal obserwuje i pojawia się ponownie w pewnych sytuacjach w historii Kościoła.

W tym miejscu zauważamy, że judaizm i chrześcijaństwo zamykają się w trudnym procesie. i uformowały się w dwie oddzielne wspólnoty, ale pomimo autorytatywnych pism, w których sformułowane są indywidualne tożsamości obu, pozostają one jednak połączone ze sobą poprzez wspólną podstawę „Starego Testamentu” jako ich wspólną Biblię.

W tym miejscu pojawia się pytanie, w jaki sposób dwie odrębne wspólnoty, które jednak łączy wspólna Biblia, osądzają się nawzajem: Wypacza to traktat De Iiitfaeis, często nazywany Advtxsus Judatos i nastawiony na polemikę. Negatywne oceny Żydów, odzwierciedlające także polityczne i społeczne problemy wspólnoty, są dobrze znane i wielokrotnie prowadziły do ​​antyżydowskich nadużyć. Z drugiej strony, jak już widzieliśmy, Kościół Rzymski dał jasno do zrozumienia w II wieku, odrzucając Marcjona, że ​​chrześcijanie i Żydzi czczą tego samego Boga i że święte księgi Izraela są także świętymi księgami chrześcijaństwa. I) wiara Abrahama jest także wiarą chrześcijan, Ahraham jest także dla nich „ojcem w wierze”.

W tę fundamentalną wspólność zawiera się oczywiście również opozycja interpretacji;

  1. Dla Żydów jest jasne, że Jezus nie jest Mesjaszem i dlatego chrześcijanie błędnie odnoszą się do swojej Biblii, „Starego Testamentu”. Ich podstawowym argumentem jest i brzmi: Mesjasz przynosi pokój. Chrystus nie wydał go na świat.

  2. Chrześcijanie kontrargumentują, że po zburzeniu świątyni w 70 rne oraz w związku z sytuacją diaspory w Izraelu, której końca nie można było przewidzieć, pismo „Stary Testament” musiało zostać zreinterpretowane i mogło zostać nie można już żyć i rozumieć. Swoimi słowami o świątyni zburzonej i odbudowanej w trzy dni, Jezus antycypował wydarzenie zniszczenia świątyni i zapowiedział nową formę kultu Boga, której centrum miał być dar Jego ciała, które jednocześnie czyniło przymierze na Synaju jego ostatecznym celem Nowe przymierze miało zostać urzeczywistnione. W tym samym czasie przymierze zostało rozszerzone na wszystkich wierzących, a obietnicy ziemi nadano ostateczne znaczenie.

 

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Dla chrześcijan było oczywiste, że orędzie Jezusa Chrystusa, jego śmierć i zmartwychwstanie, oznaczało nadejście czasu danego przez samego Boga, a zatem interpretacja świętych ksiąg Jezusa Chrystusa została niejako usankcjonowana przez Boga.

Tradycyjnie Stary Testament dzieli się na trzy rodzaje ksiąg; Tora (prawo) - Nebiitn (prorocy) - Ketubim (księgi mądrościowe i psalmy). Podczas gdy w judaizmie ciężar spoczywa wyłącznie na Torze, a właściwie inne księgi, z wyjątkiem Psalmów – zwłaszcza ksiąg prorockich – mają drugorzędne znaczenie, to w przypadku chrześcijan perspektywa jest przesunięta. Cały Stary Testament jest teraz rozumiany jako proroctwo, jako saeramentuni fumnt: Pięć ksiąg Mojżesza jest również zasadniczo proroctwem. Oznacza to dynamizację Starego Testamentu, którego teksty nie powinny być odczytywane statycznie same w sobie, ale jako całość muszą być rozumiane jako ruch naprzód ku Chrystusowi. W praktyce Kościoła zaowocowało to konkretnym rozłożeniem ciężarów: Księgi mądrości stanowią podstawę nauczania moralnego w katechumenacie iw życiu chrześcijan w ogóle, Torę i proroków należy czytać jako oczekiwaną chrystologię. Psalmy stają się wielkim modlitewnikiem Kościoła. Zgodnie z tradycją David jest uważany za jego autora. Dla chrześcijan jednak Jezus Chrystus jest prawdziwym Dawidem, a więc modlitwą Psalmów, od którego i z kim je czytamy.

Pierwotne historyczne znaczenie tekstów nie ma być negowane, ale musi zostać przekroczone. Wskazują na to pierwsze dwie linijki słynnego Distychonu o czterech zmysłach pisania: Littera facta doct't. Quid credas alegoria. Moralis quid agas. Qito tendas anagogia.

Jednak nawet w przypadku Grzegorza Wielkiego następuje zmiana w stosunku do tych wag: „alegoria”, odczytanie kbrystologiczne wszystkich pism świętych, traci na znaczeniu, podczas gdy coraz bardziej na pierwszy plan wysuwa się sens moralny. Jeśli za Tomaszem z Akwinu, przy nowym spojrzeniu na teologię, alegoria zostanie zasadniczo zdewaluowana (do argumentacji należy używać tylko dosłownego sensu), a nikomachejska etyka Arystotelesa stanie się de facto podstawą moralności chrześcijańskiej, istnieje ryzyko utrata sensu dla całego Starego Testamentu oczywiście.

  1. Nowe oblicze problemu na Soborze Watykańskim II

W nr 4 Deklaracji Soboru Watykańskiego II o stosunku Kościoła do religii wczesnochrześcijańskich relacja między chrześcijaństwem a judaizmem jest sformułowana w sposób decydujący. Błędy historyczne są

 

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Formułuje to zacofaną i naprawdę autentyczną treść tradycji chrześcijańskiej w sprawach judaizmu, dając tym samym ważny standard dla nowego traktatu De Judaeis.

W Jalirze 2015 zapytał. Z okazji 50. rocznicy „Nostra aetdte” (nr 4) Komisja ds. Stosunków Religijnych z Judaizmem publikuje refleksje na tematy teologiczne dotyczące stosunków katolicko-żydowskich, w których autorytatywnie podsumowuje dotychczasowe wydarzenia. Patrząc z tego przeglądu można powiedzieć, że nowy pogląd na judaizm, który rozwinął się po soborze, można streścić w dwóch stwierdzeniach:

  1. Należy odrzucić „teorię substytucji”, która dotychczas determinowała myślenie teologiczne w tej kwestii. Mówi, że po odrzuceniu Jezusa Chrystusa Izrael przestał być nosicielami Bożych obietnic, dzięki czemu można go teraz nazwać ludem „który był tak długo wybranym” (modlitwa o poświęcenie rodzaju ludzkiego dla najświętszy Merz Jesu).

  2. Właściwie jest raczej mówić o nigdy nie wypowiedzianym przymierzu, które powstało po soborze następującym po Rzymian 9-11.

Obie tezy – że Izrael nie zostanie zastąpiony przez Kościół i że przymierze nigdy nie zostało wypowiedziane – są w zasadzie poprawne, ale pod wieloma względami są nieprecyzyjne i muszą być dalej rozpatrywane krytycznie.

Przede wszystkim należy zauważyć, że przed Soborem nie istniała „teoria substytucji” jako taka: żadne z trzech wydań „Leksykonu Teologii i Kościoła” (Buchberger – Rahner – Kasper) nie zna teorii substytucji słów kluczowych, nie nawet w leksyce protestanckiej, takiej jak Przykład RGG\Wold, jednak w indeksie Kaspera-LThK pojawia się teoria substytucji wyrazów, która występuje pod słowami kluczowymi Ahes Testament II (Breuning), Izrael III (Breuning) i Lud Boży Ja (W. Kraus).

Tak jak „teoria substytucji” jako taka nie istniała, tak samo koncepcja pozycji Izraela w pochrystusowej historii teologii nie była jednolicie rozumiana przez teologię. Prawdą jest jednak, że z tekstów takich jak przypowieść o dzierżawcach winnicy (Mk 12,1-11) czy o uczcie (Mt 22:1,14; Łk 14,15-24), do których nie przychodzą zaproszeni a następnie zastąpiona innymi, myśl o odrzuceniu Izraela w dużej mierze ukształtowała ideę jego funkcji we współczesnej historii zbawienia.

Z drugiej strony było jasne, że Izrael i judaizm zawsze zajmowały szczególną pozycję i nie pogrążały się po prostu w świecie innych religii. Szczególnie dwa aspekty zawsze uniemożliwiały myśl o tak całkowitym odejściu narodu żydowskiego od obietnicy:

 

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  1. Izrael jest bezsprzecznie nadal właścicielem Pisma Świętego, chociaż drugi list do Korlatha mówi, że czytając Pismo, Ilez Izraela jest zakryty zasłoną i że zasłona ta jest usuwana tylko przez zwrócenie się do Pana Jezusa Chrystusa (2 Kor 3: 1f) . Ale faktem jest, że Pismo Święte trzyma w swoich rękach objawienie Boże. Ojcowie Kościoła, tacy jak Augustyn, podkreślali, że Izrael musi istnieć jako nienależący do wspólnoty Kościoła, aby świadczyć o autentyczności pospiesznych pism świętych.

  2. Nie tylko św. Paweł mówi, że „cały Izrael będzie zbawiony”, ale także Apokalipsa św. Jana widzi dwie grupy zbawionych: 144 000 z dwunastu plemion Izraela, którzy wyrażają to samo w innym języku, co Paweł chciałem powiedzieć słowem „cały Izrael”, a obok niego „wielu ludzi, których nie można policzyć – (Ap 7:9) jako dobrze reprezentację zbawionych pogan. Ta eschatologiczna perspektywa, z siódmego neutezjamenów, nie jest po prostu sprawą po wielu tysiącleciach, które nadejdą w pewnym momencie w końcu, ale raczej „Esehacologisehe” jest zawsze jakoś obecna,

Z obu punktów widzenia dla Kościoła było jasne, że judaizm nie stał się jedną religią pośród innych, ale postawił go w szczególnej sytuacji i dlatego musiał być jako taki uznany przez Kościół. Na tej podstawie w średniowieczu rozwinęła się idea podwójnego przymusu szkolnego dla Papieża, który z jednej strony miał bronić chrześcijan przed Żydami, ale też musiał bronić Żydów, aby tylko w średniowiecznym świecie były uważane za religijne, obok chrześcijan, którzy mogli przejść titita.

Kwestia zastąpienia pojawia się nie tylko dla Izraela jako całości, ale jest skonkretyzowana w poszczególnych elementach, w których reprezentowane jest wybranie: stymulacja Kulige, do której kult świątynny obejmuje również wielkie święta Izraela (1); prawa Kuli dotyczące poszczególnych Izraelitów: szabat, naśnieżanie, przepisy dotyczące żywności, niepodejmowania żadnych kroków (2); prawne i moralne wskazówki Tory (3); Mesjasz (4); obietnica ziemi (S). Stamtąd należy również zająć się kwestią rządu federalnego.

III. Pytanie o „podstawienie *

Rozpatrzmy zatem w pierwszej części istotne elementy obietnicy, do których można zastosować termin substytucji; w drugim punkcie trzeba będzie zająć się kwestią rządu federalnego.

 

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  1. Kult świątynny

Co oznacza „nie dla zastąpienia” w odniesieniu do kultu świątynnego regulowanego w Torze? Zapytajmy bardzo konkretnie: czy Eucharystia zastępuje kultowe ofiary, czy też pozostają one same w sobie konieczne? Myślę, że w tym momencie staje się jasne, że statyczny pogląd na prawo i obietnicę, który stoi za niezróżnicowanym „nie” dla „teorii substytucji”, jest w tym miejscu z konieczności złamany. Kwestia kultu w Izraelu ewidentnie od początku poruszała się w dialektyce między krytyką kultu a lojalnością wobec instrukcji kultu. Chciałbym odnieść się do trzeciego rozdziału pierwszej części mojej książki Duch liturgii. Odwołaj się do wprowadzenia. Stronę krytyczną wobec kultu spotykamy w tekstach takich jak 1 Sm 15:22; Oz 6,6; W dniach 5.21-27 i tak dalej. Podczas gdy krytyka kultowa na obszarze hellenistycznym prowadziła coraz bardziej do całkowitego odrzucenia kultu ofiary i znajdowała konkretną formę w myśli o ofierze Logosu, w Izraelu zawsze istnieje świadomość, że ofiara czysto duchowa nie wystarczy. Odwołuję się do dwóch tekstów: Dan 3,37-43 i Ps 51,19 n.

Psalm wyraźnie mówi w wersecie 18f: „Nie chcesz ofiary [...] Ofiarą, która podoba się Bogu, jest duch skruszony”. Ale potem, co zaskakujące, w wersecie 20f następuje prośba i przepowiednia: «[...] odbuduj mury Jerozolimy! Wtedy będziesz cieszyć się prawdziwymi ofiarami, ofiarami oparzeń i całymi ofiarami”. Współcześni interpretatorzy mówią nam, że w końcu elementy konserwatywne dodały to, co zostało zanegowane w wersecie. Rzeczywiście, istnieje pewna sprzeczność między tymi dwoma zestawami wersetów. Ale fakt, że ostatni werset należy niewątpliwie do tekstu kanonicznego, pokazuje, że sama ofiara czysto duchowa nie jest uważana za wystarczającą. To samo można zobaczyć we wspomnianym powyżej tekście Daniela.

Dla chrześcijan całkowite poddanie się Jezusa w śmierci krzyżowej, które jest jedynie możliwą i jednocześnie konieczną syntezą obu poglądów od Boga, oznacza: Pan cielesny oddaje się za nas jako całość. Jego ofiara obejmuje ciało, cały rzeczywisty świat fizyczny. Ale weszło w ego Jezusa Chrystusa i tak całkowicie wzniosło się w to, co osobowe. Dla chrześcijan jest jasne, że wszystkie poprzednie kulty znajdują swój sens i spełnienie tylko w tym, że zbliżają się do ofiary Jezusa Chrystusa. W nim, do którego zawsze się odwołuje. Czy to wszystko ma sens. Tak więc właściwie nie ma „zastąpienia”, ale raczej bycie w ruchu, co ostatecznie staje się pojedynczą rzeczywistością, a mimo to koniecznym zniknięciem ofiar zwierzęcych, w miejscu których („zastępowanie”) odbywa się Eucharystia.

Zamiast statycznego poglądu na zastąpienie lub niepodstawienie, mamy do czynienia z dynamicznym rozważaniem całej historii zbawienia, która w Chrystusie ma swój ai'ctKfctJiaAmaXTLi; (por. Epli 1:10).

 

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  1. Prawa kultu

Spór o wolność prawa chrześcijan, zwłaszcza Pawła, toczy się wokół obszaru praw kultu, które dotyczą jednostki (obrzezanie, szabat itp.). Dziś jest jasne, że z jednej strony rozkazy te miały chronić tożsamość Izraela w wielkim rozproszeniu między narodami, a z drugiej strony, że zniesienie ich mocy wiążącej było warunkiem wyłonienia się światowego chrześcijaństwa od pogan. . Pod tym względem te kwestie w szczególności nie są już prawdziwym problemem dla obu stron od czasu rozdziału Izraela i Kościoła. Że w międzywyznaniowych polemikach począwszy od XVI wieku protestanci oskarżają katolików o przywrócenie dawnej praworządności wśród chrześcijan w nowy sposób z przykazaniem niedzielnym, piątkowym itd. (stare normy „zastąpione” nowymi),

  1. Prawo i moralność

Jeśli chodzi o wskazówki prawne i moralne Tory, jest jasne, że nawet wśród Żydów po prostu poprzez konkretny rozwój prawny, tak zwane prawo kazuistyczne oferuje modele, które podlegają rozwojowi. Pod tym względem nie jest tu konieczny spór między chrześcijanami a Żydami.

Co się tyczy faktycznego pouczenia moralnego, które znalazło swój zasadniczy wyraz w Dekalogu, obowiązuje to, co Pan mówi po Kazaniu na Górze w Mt 5,17-20, a mianowicie nadal obowiązuje, nawet jeśli jest odczytywane na nowo w nowej wersji. Sytuacje Ale ta nowa lektura nie jest uchyleniem ani zastąpieniem, ale pogłębieniem w niezmienionej ważności. Właściwie nie ma tu substytucji.

Dziwne w obecnej sytuacji jest to, że nawet dzisiaj wiele osób twierdzi, że zastąpiono je: osiem błogości zajęło miejsce przykazań, Kazanie na Górze całkowicie znosi moralność Starego Testamentu. Całe pytanie odsyłam do czwartego rozdziału pierwszego tomu mojej książki Jezus z Nazaretu (s. 93-160). Źle rozumiany paulinizm jest powodem niezrozumienia, że ​​tutaj, w podstawowym nauczaniu życia chrześcijańskiego, nastąpiła radykalna substytucja. W rzeczywistości jest również zupełnie jasne w przypadku Pawła, że ​​moralna nauka Starego Przymierza, podsumowana w podwójnym przykazaniu miłości, pozostaje ważna dla chrześcijan, chociaż w nowym kontekście miłości i bycia kochanym przez Jezusa Chrystusa. Tutaj punkt 1 i 3 przechodzą jeden w drugi u Pawła, i to jest prawdziwie chrześcijańska nowość: Chrystus ukrzyżowany poniósł całą naszą winę. W Izraelu ofiara Dnia Przebłagania i codzienne Przebłaganie miały na celu zaradzenie wszystkim niesprawiedliwościom świata

 

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i odebrać. Jednak ofiary ze zwierząt mogły być jedynie gestem, który sięgał do prawdziwie pojednawczej mocy.

Wcielony Syn Boży, który akceptuje całe cierpienie i całą winę świata, jest teraz tym przezwyciężeniem. Łączenie się ze śmiercią w Taute oznacza dla chrześcijanina poczucie bezpieczeństwa w przebaczającej miłości Boga. Nie oznacza to jednak, że jego własne życie jest teraz nieistotne i że moralne nauczanie dla niego już nie istnieje. Oznacza to raczej, że można i trzeba żyć na nowo w tej jedności z Chrystusem w wewnętrznej wolności miłości.

Oczywiście spór o chrześcijaństwo pawłowski będzie przechodził dalej, ale niektórzy uważają, że powinno się na nowo wyjaśnić to, że nauczanie moralne w starym i nowym przymierzu jest ostatecznie identyczne i że nie może tu nastąpić żadna prawdziwa „substytucja”.

  1. Mesjasz

Kwestia mesjaństwa Jezusa jest i pozostaje naprawdę kontrowersyjną kwestią między żydami i chrześcijanami, nawet jeśli nie przestanie ilustrować oddzielenie dwóch dróg jako takich, nowsze badanie Starego Testamentu otworzyło nowe możliwości dla dialog. Uindating i reinterpretacje wielkich wstępnych słów Izraela (Rdz 49,10; Lb 24,17; Sam 7,12-16; Es 19,20-46; Am 9,14f; Iz 7,10-17; 9,1-6; 11,1-9; Mi 5,1-5; Ag 2,20-23; Sacli 4; 8-14 i różne teksty Psalmów) ukazują polifonię i kształt nadziei, w której w dużej mierze zdeterminowana politycznie postać nowego Dawida – „króla Mesjasza” - jest tylko jedną z form nadziei. To prawda, że ​​cały Stary Testament jest księgą nadziei. Ale w tym samym czasie, że ta nadzieja wyraża się w zmieniających się formach. Prawdą jest również, że nadzieja w coraz mniejszym stopniu odnosi się do władzy ziemskiej i politycznej, a znaczenie pasji jako istotnego elementu nadziei coraz bardziej wysuwa się na pierwszy plan.

Ze świadectw nowotestamentowych o Jezusie jasno wynika, że ​​był on krytyczny wobec tytułu Mesjasza i ogólnie związanych z nim idei. Widać to na przykład w komentarzu Jezusa do syna Dawida po Psalmie 110. Jezus przypomina nam, że uczeni w Piśmie przedstawiają Chrystusa jako Syna Dawida. W psalmie jednak Chrystus nie ukazuje się jako syn Dawida, ale jako jego Pan (Mk 12,3nn). Ahe pali tam, gdzie w przyszłym formowaniu się wyznania wśród uczniów tytuł Chrystus - Mesjasz odnosi się do Jezusa, Jezus natychmiast uzupełnia i koryguje idee ukryte w tym tytule poprzez katechezę o cierpieniu Zbawiciela (por. Mk 8, 27 -33; Mt 16, 13-23).

 

 

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W swoim przepowiadaniu sam nie nawiązywał do tradycji Dawidowej, ale przede wszystkim do sformułowanej przez Daniela postaci nadziei Syna Człowieczego. Ponadto idea namiętności, zastępczego cierpienia i umierania oraz pokuty były dla niego centralne. Myśl cierpiącego sługi Bożego, zbawienia przez cierpienie, jest dla niego istotna; Pieśni sługi Izajasza, ale także tajemnicze wizje cierpienia Sachajji określają jego wizerunek posłańca. W tych tekstach Izrael wyraża swoje doświadczenia wiary w czasach wygnania i prześladowań hellenistycznych i pojawia się jako istotne etapy na drodze Boga ze swoim ludem, która prowadzi do Jezusa z Nazaretu. Ale także Mojżesz, który staje w obronie swego ludu i ofiarowuje własną śmierć zastępczą, wydaje się przejrzyste dla misji Jezusa am. W swoim ważnym studium o samouniżeniu Boga w teologii rabinów (= StANT 17, Monachium 196R 13, Textl) Peter Kuhn wykazał, że idea samouniżania, tak, cierpienia Boga, nie jest obca Judaizm i że istnieją znaczące zbliżenia do Chrześcijańskiej interpretacji Starego Testamentu miłość nadzieja daje zbawienie, nawet jeśli, oczywiście, pozostają ostateczne różnice.

W średniowiecznych sporach między Żydami a chrześcijanami Iz. Zanim te słowa staną, ten, kto wysuwa mesjanistyczne roszczenie, musi pokazać: * Prawdę mówi w walce narodów (…) Potem wykuwają ze swoich mieczy lemiesze i wyciągają noże ze swoich włóczni. Ludzie nie wyciągają już miecza, ludzie przeciwko ludziom i nie trenują już do wojny ”(Iz 2: 4; Mi 4: 3f). To Idar, że te słowa się nie spełniają, ale pozostają oczekiwaniem na przyszłość.

W dolinie Jezus prosił o odczytanie obietnic Izraela w szerszym rozumieniu, w którym męka Boga na tym świecie, a tym samym cierpienie sprawiedliwych, zajmuje coraz bardziej centralne miejsce. Również w jego obrazach królestwa Bożego triumfalny akcent nie jest bynajmniej dominujący; one również charakteryzują się walką Boga o ludzi iz ludźmi. Na polu Królestwa Bożego w tym czasie chwasty rosną razem z pszenicą i nie są wyrywane. W Bożej sieci much są dobre i złe ryby. Zaczyn królestwa Bożego tylko powoli przenika świat od wewnątrz, aby go przemienić. W rozmowie z Jezusem uczniowie w drodze do Einmaus dowiadują się, że podstawowym centrum postaci Mesjasza musi być krzyż. Mesjasz nie wydaje się być postrzegany przede wszystkim w kategoriach królewskiej postaci Dawida. Ewangelia Jana jako końcowe podsumowanie dialogu między Jezusem a Żydami, w którym odzwierciedla się także przyszły dialog między Żydami a chrześcijanami, ma centralny punkt w postaci Jezusa, a tym samym w interpretacji

 

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teraz inaczej ustawiony wobec Izraela: Zasadnicze stwierdzenie o postaci obiecanego znajduje się dla Jana w związku z postacią Mojżesza: „Pan, twój Bóg, wzbudzi spośród was proroka takiego jak ja [...]. Powinieneś posłuchać filmu »(Pwt 18:15). Inną cechą charakterystyczną postaci Mojżesza jest to, że stanął „twarzą w twarz” z diabłem * (Pwt 34,10). Sama Księga Powtórzonego Prawa odnotowuje, że dotychczas obietnica nie została spełniona i że „żaden prorok nie ukazał się w Izraelu jak Mojżesz, z którym Pan rozmawiał twarzą w twarz” (Pwt 34,10). W pierwszym rozdziale swojej Ewangelii Jan mówi programowo, że te słowa, które wciąż czekają, spełniają się teraz w Jezusie: * Nikt nigdy nie widział Boga. Jednorodzony Bóg

W mojej analizie eschatologicznej mowy Jezusa w drugim tomie mojej książki Jezus z Nazaretu (5.39-68) wykazałem, że zgodnie z historią Jezusa „czas pogan” między zburzeniem świątyni a nadejdzie koniec nieszczęścia, którego długość była oczywiście początkowo uważana za bardzo krótką, ale jest ona niezbędna jako część historii Boga z ludzkością (s. 57-61). ponieważ nie jest to bezpośrednio w starożytnych tekstach, musi być ustalone, nadal odpowiada rozwojowi nadziei Izraela, ponieważ odbywa się to coraz wyraźniej w późniejszym okresie (Deutero-Izajasz, Sacliaija eic.).

Św. Łukasz mówi nam, że Jezus, Zmartwychwstały, prowadził ich tą drogą z dwoma uczniami jednocześnie na ścieżce wewnętrznej. Czyta z nimi na nowo Stary Testament. W ten sposób uczą się rozwiewać obietnice i nadzieje Izraela oraz postać Mesjasza w zupełnie nowy sposób. Odkrywają, że losy Chrystusa ukrzyżowanego i zmartwychwstałego, który w tajemniczy sposób podróżuje z uczniami, są nakreślone w księgach. Nauczysz się nowego czytania Starego Testamentu. Tekst ten opisuje rozwój wiary chrześcijańskiej w pierwszym i drugim wieku, a tym samym opisuje drogę, którą należy wciąż na nowo poszukiwać i podążać. W zasadzie opisuje rozmowę między Żydami a chrześcijanami, która powinna toczyć się do dziś i niestety tylko w rzadkich momentach przynajmniej była słyszana.

Ojcowie E2eti doskonale zdawali sobie sprawę z tej nowej struktury opowieści, na przykład wtedy, gdy opisywano powstanie historii w trójstronnym schemacie umbra - iniago - veritas. Czas Kościoła ("Czas Pogan") to

 

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jeszcze nie przybycie na otwarte veritas (= Isa 2 i Śr 4). To jest nadal iinago, czyli stanowiska w fazie wstępnej, aczkolwiek w nowej otwartości. Słusznie przedstawił ten fakt Bernhard von Clairvaux, przekształcając mowę o dwojakim przyjściu Chrystusa w potrójną obecność Pana i nazywając czasy Kościoła Adwiittts inediits (Jezus z Izaretu //, s. 316).

Podsumowując, możemy powiedzieć, że cała historia Jezusa opowiedziana w Nowym Testamencie, od relacji o kuszeniu do historii z Emaus, pokazuje, że czas Jezusa, „czas unikania”, nie jest czasem kosmosu. przemiana, w której zapadły już ostateczne decyzje między Bogiem a człowiekiem, ale czas wolności. W nim Bóg spotyka ludzi przez ukrzyżowaną miłość Jezusa Chrystusa, aby zgromadzić ich razem w wolnym tak dla królestwa Bożego. To czas wolności, a to oznacza również czas, w którym zło nadal ma władzę. Moc Boża przez cały ten czas jest mocą cierpliwości i miłości, przeciwko której moc zła pozostaje skuteczna. To czas Bożej cierpliwości, który często wydaje się nam zbyt wielki - czas zwycięstw, ale także porażki miłości i prawdy. Stary kościół podsumował istotę tego czasu w wygranej: „Regnavit a Jigno Deus”. W drodze z Jezusem, jak uczniowie z Emaus, Kościół nieustannie uczy się czytać z Nim Stary Testament, a tym samym na nowo go rozumieć. Uczy się rozpoznawać, że dokładnie to zostało przepowiedziane o „Mesjaszu” iw dialogu z Żydami powinna raz po raz próbować pokazać, że wszystko to jest zgodne ze scenariuszem. Dlatego teologia duchowa zawsze podkreślała, że ​​czas kościoła nie oznacza przybycia do raju, ale odpowiada 40-letniemu exodusowi Izraela na całym świecie. To jest droga wyzwolonych. Jak Izraelowi ciągle przypomina się na pustyni, że jego. Chodzenie po pustyni jest wynikiem wyzwolenia z niewoli Egiptu; Tak jak Izrael wielokrotnie chciał wracać po drodze do Egiptu i nie mógł uznać za dobro dobra wolności, tak samo dotyczy chrześcijaństwa na swojej drodze wyjścia: tajemnicy wyzwolenia i. Uznanie wolności jako daru odkupienia jest dla ludzi wielokrotnie trudne, a oni chcą wyjść za wyzwolenie. Ale wciąż na nowo mogą uczyć się dzięki miłosierdziu Bożemu, że wolność jest wielkim darem prawdziwego życia.

  1. Obietnica ziemi

Obietnica ziemi jest specjalnie przeznaczona dla dzieci Abrahama jako ludu w historii. Chrześcijanie postrzegają siebie jako prawdziwych potomków Abrahama, jak wyraźnie pokazuje list do Galatów:

 

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ale nie jako lud w ziemskim historycznym sensie. Ponieważ są jednym ludem we wszystkich narodach, jako tacy nie oczekują żadnego konkretnego kraju na tym świecie. List do Hebrajczyków wyrażał takie rozumienie obietnicy ziemi: „Przez wiarę przebywał on (Abraham) jako obcy w ziemi obiecanej jak w obcej ziemi i mieszkał w namiotach z [...] współdziedzicami ta sama obietnica; czekał bowiem na miasto [...], które sam Bóg zaplanował i zbudował »(Hbr 1, 1, 9n). „Wszyscy umarli w wierze, nie osiągnąwszy tego, co było obiecane; tylko z daleka widzieli i pozdrawiali i wyznali, że są obcymi i gośćmi na ziemi * (Hbr 11:13). List Diognet rozwinął ten punkt widzenia: Chrześcijanie żyją w swoich krajach jako odpowiedzialni obywatele, a mimo to wiedzą, że ich własne miasto, prawdziwy kraj, do którego jadą, jest w przyszłości. Obietnica ziemi odnosi się do przyszłego świata i relatywizuje różne przynależności do niektórych krajów. Dialektyka odpowiedzialnego przynależności do tego świata i jednoczesnego bycia w ruchu determinuje chrześcijańskie rozumienie kraju i ludzi i oczywiście musi być wciąż na nowo wypracowywane, cierpiane i doświadczane.

Z drugiej strony judaizm trzymał się idei konkretnego pochodzenia od Abrahama i musiał jakoś nieuchronnie szukać konkretnego, wewnątrzświatowego znaczenia dla obietnicy ziemi.

Klęska popieranego teologicznie powstania Bar Kochby (132-135 n.e.), popieranego teologicznie przez część rabinatu, oznaczała na długi czas wyrzeczenie się takich form mesjanizmu politycznego. Natomiast Majmonides (1135-1204) wprowadził nowy kierunek, próbując wyprowadzić oczekiwanie kraju z teologicznego, aby nadać mu racjonalny kształt. Konkretna rzeczywistość wyłoniła się z tego dopiero w XIX wieku. Cierpienie licznej mniejszości żydowskiej w Galicji, podobnie jak w ogóle na Wschodzie, stało się dla Theodora Herzla punktem wyjścia do założenia syjonizmu, który miał na celu przywrócenie domu bezdomnym, biednym i cierpiącym Żydom. Wydarzenia Szoa sprawiły, że oddzielne państwo stało się jeszcze pilniejsze dla Żydów; w upadającym Imperium Osmańskim, do której należała Ziemia Święta, musiało być możliwe uczynienie z historycznej ojczyzny Żydów ich nowej ziemi. Promień wewnętrznych uzasadnień i konkretnych pomysłów był bardzo szeroki. Większość syjonistów nie była religijna i starała się uczynić z kraju dom dla narodu żydowskiego w zsekularyzowanych warunkach. Ale także siły religijne zawsze działały w syjonizmie i ku zaskoczeniu ojców agnostyków tak się stało Większość syjonistów nie była religijna i starała się uczynić z kraju dom dla narodu żydowskiego w zsekularyzowanych warunkach. Ale także siły religijne zawsze działały w syjonizmie i ku zaskoczeniu ojców agnostyków tak się stało Większość syjonistów nie była religijna i starała się uczynić z kraju dom dla narodu żydowskiego w zsekularyzowanych warunkach. Ale także siły religijne zawsze działały w syjonizmie i ku zaskoczeniu ojców agnostyków tak się stało

 

Łaska i powołanie bez wyrzutów sumienia 401

Nierzadko nowe pokolenie zwraca się ku religii. Kwestia, jak należy oceniać projekt syjonistyczny, budziła kontrowersje także w Kościele katolickim. Od początku dominowało stanowisko, że teologicznie rozumiana grabież ziemi w sensie nowego mesjanizmu politycznego jest nie do przyjęcia. Po utworzeniu Ziemi Izraela w 1948 r. rozwinęła się doktryna teologiczna, która ostatecznie umożliwiła polityczne uznanie Państwa Izrael przez Watykan. Jej istotą jest przekonanie, że państwo rozumiane w ścisłym sensie teologicznym, żydowskie państwo wiary, które widzi siebie jako teologiczne i polityczne wypełnienie obietnic, jest niewyobrażalna w naszej historii według wiary chrześcijańskiej i byłaby sprzeczna z chrześcijańskim rozumieniem obietnic. Jednocześnie jednak wyjaśniono, że naród żydowski, jak każdy naród, ma naturalne prawo do własnej ziemi. Jak już wskazano, sensowne było znalezienie dla tego miejsca w historycznym środowisku narodu żydowskiego, jakie można było odnaleźć w sytuacji politycznej rozpadającego się Imperium Osmańskiego i Protektoratu Brytyjskiego w sposób zgodny ze standardem prawa międzynarodowego . W tym sensie Watykan uznał państwo Izrael za nowoczesne państwo konstytucyjne i widzi w nim prawowite małżeństwo narodu żydowskiego, którego uzasadnienia oczywiście nie można wyprowadzić bezpośrednio z Pisma Świętego.

Nieteologiczny charakter państwa żydowskiego oznacza jednak, że obietnice Pisma Świętego jako takie nie mogą być uznane za spełnione. Bieg historii pokazuje raczej wzrost i rozwijanie się obietnic, jak widzieliśmy także w przypadku ich innych treści. Już w pierwszym wielkim rozproszeniu Izraela pod rządami króla Nabuchodonozora, w środku sądu, Boża miłość do swego ludu działała i nadała rozproszeniu nowe, pozytywne znaczenie. Dopiero na wygnaniu obraz Boga Izraela, monoteizm, został w pełni rozwinięty, ponieważ według zwykłych standardów bóg, który nie był w stanie obronić swojego kraju, nie był już bogiem. Teraz pokazały się szyderstwa narodów, które przedstawiały Boga Izraela jako pokonanego i pozbawionego ziemi że właśnie w przejściu ziemi zajaśniała boskość tego boga, który był nie tylko bogiem pewnego kraju, ale do którego należał cały świat. Miał je i mógł je rozprowadzać zgodnie ze swoją wolą. Na wygnaniu Izrael w końcu uznał, że jego Bóg jest jednym Bogiem ponad bogami, który swobodnie rządzi historią i narodami.

Zgodnie z ich własnym poglądem, hellenistyczne prześladowania judaizmu opierały się na oświeconym obrazie Boga, który został wykształcony dla wszystkich

 

402 Józef Ratzin^er - Benedykt XVI.

Ludzie w zasadzie powinni być jednorodni, aby nie było miejsca na osobliwości i misyjne roszczenia Boga Izraela. Ale właśnie w konflikcie między greckim politeizmem a jedynym Bogiem nieba i ziemi, któremu służył Izrael, wśród szukających Boga ludu starożytności nastąpił nieoczekiwany zwrot ku Bogu Izraela, którego konkretny wyraz wyraża się w ruchu którzy znaleźli „ludzi pobożnych”, którzy zgromadzili się wokół synagog. W mojej rozprawie „Ludzie i dom Boży bä Augustine” starałem się dalej wyjaśniać wewnętrzne rozumowanie tego procesu w oparciu o analizy Augustyna. Sedno całej sprawy można podsumować w następujący sposób:

W tej sytuacji pojawił się żydowski Bóg, który reprezentował pierwotną moc wszelkiego bytu, jak odkryła to filozofia, jednocześnie jako siła religijna skierowana do tych ludzi i w której ludzie mogą spotkać boskość.

Ten zbieg idei filozoficznej i rzeczywistości religijnej był czymś nowym i mógł ponownie uczynić religię rzeczywistością dającą się racjonalnie obronić. Jedyną przeszkodą była więź Boga z jednym ludem i jego systemami prawnymi. Jeśli – jak w proklamacji Pauliego – więź ta mogła zostać zerwana, a Bóg Żydów mógł być postrzegany przez wszystkich jako ich Bóg, pojednanie wiary i rozumu się powiodło (por. też moja mała książeczka Bóg wiary i Gort filozofów).

W ten sposób Żydzi właśnie otworzyli drzwi do Boga poprzez swoje ostateczne rozproszenie w świecie. Twoja diaspora to nie tylko i nie przede wszystkim stan kary, to misja.

/ W. Niedawno rozwiązane przymierze »

Przy tym wszystkim, co do tej pory zostało powiedziane, zajęliśmy stanowisko wobec pierwszego podstawowego elementu nowego konsensusu w sprawie chrześcijaństwa – judaizmu, tak jak jest to przedstawione w rozważaniach opublikowanych przez Komisję ds. Stosunków Religijnych z Judaizmem. Ten pierwszy podstawowy element mówi, że teoria substytucji * nie jest odpowiednia dla relacji między judaizmem a chrześcijaństwem. Ponownie przestudiowaliśmy tę tezę o babce, w której przede wszystkim przedstawiono elekcję Izraela i jesteśmy z nią

 

Łaska i powołanie bez skruchy 403

Rezultat był taki, że krytyka teorii substytucji wskazuje właściwy kierunek, ale wymaga szczegółowego rozważenia. Musimy teraz przejść do drugiego elementu tego nowego konsensusu, to jest do mowy o „przymierzu nigdy nie wypowiedzianym”.

Wspomniane „refleksje” zwracają uwagę na fakt, że teza, iż „przymierze, które Bóg zawarł ze swoim ludem Izraelem pozostaje i nigdy nie będzie nieważne” (s. 42) nie jest zawarta w Nostfd detatc, ale po raz pierwszy została wygłoszona Johannes Paul IL 17 listopada 1980 w Moguncji. Został on następnie włączony do Katechizmu Kościoła Katolickiego (nr 121) i pod tym względem należy w pewnym sensie do dzisiejszej formy doktrynalnej Kościoła Katolickiego.

Podobnie jak w przypadku krytyki teorii bytu, sedno tego, co zostało powiedziane, należy uznać za słuszne, ale w szczególności wymaga to jeszcze dużej precyzji i pogłębienia. Przede wszystkim należy zauważyć, że w Rzymie 4, wymieniając szczególne dary Izraela, Paweł nie mówi o „przymierzu”, ale o „przymierzach”. W rzeczywistości jest błędem, jeśli w naszej teologii przymierze jest na ogół postrzegane tylko w izolacji lub nawet tylko w ścisłym zestawieniu starego (pierwszego) i nowego przymierza. Dla Starego Testamentu „przymierze” jest dynamiczną rzeczywistością, skonkretyzowaną w rozwijającej się grupie przymierzy. Jako głównych bohaterów wymieniam przymierze Noe, Abrahamowe, Mojżeszowe, Dawidowe i wreszcie, w różnych formach, obietnicę nowego przymierza.

Prolog Mateuszowy i historia dzieciństwa św. Łukasza komentują przymierze Dawidowe. Obaj pokazują na swój sposób, jak przymierze zostało zerwane i zakończone przez człowieka, ale jak Bóg pozwala, by z pnia Jessego wyrósł ryż, w którym przymierze zaczyna się na nowo od Boga (por. Iz 11, 1 ). Dynastia Dawida, podobnie jak wszystkie dynastie ziemskie, ginie. A jednak spełnia się obietnica: Jego królestwo się nie skończy (Łk 1,33).

Dla naszego pytania ważny jest list do Galatów, który w 3 i 4 rozdziale porównuje przymierza Abrahamowe i Mojżeszowe. Mówi się, że przymierze Abrahamowe jest uniwersalne i bezwarunkowe. Natomiast Mosebund został wydany 430 lat później. Jest ograniczona i powiązana z warunkiem przestrzegania prawa. Ale oznacza to również, że może zawieść tam, gdzie warunki nie są spełnione: pełni funkcję pośrednią, ale nie podważa ostateczności i powszechności przymierza Abrahamowego.

Nowy poziom teologii przymierza znajdujemy w Liście do Hebrajczyków, szczególnie jaskrawo brzmiącą obietnicę nowego przymierza w Jer 31

 

404 Józef Ratzin^er - Benedykt XVI.

i porównuje je z poprzednimi przymierzami, które podsumowuje pod nagłówkiem „pierwsze przymierze”, które zostało teraz zastąpione przez ostatnie, „nowe” przymierze.

Temat nowego przymierza pojawia się również w różnych odmianach u Jeremiasza, Ezechiela, Księgi Powtórzonego Prawa-Izajasza i Ozeasza. Szczególnie imponujący jest opis historii miłości między Bogiem a Izraelem w 16 rozdziale Księgi Ezechiela. W czasie swej cnoty Bóg z miłością przyjmuje w siebie Izrael w swoim przymierzu miłości, które ma być ostateczne. Izrael nie pozostaje wierny i prostytuuje się z wszelkiego rodzaju bóstwami. Gniew Boga z tego powodu nie jest jego ostatnim słowem, ale przyjmuje je w nowym i już nie zniszczalnym przymierzu. Prawdą jest stwierdzenie, że Bóg nie potępia „nigdy nie wypowiedzianego przymierza", które badamy. Ale prawdziwa historia Boga z Izraelem obejmuje złamanie przymierza przez człowieka, pierwsze figura, która znajduje się w Księdze Wyjścia jest opisana. Długa nieobecność Mojżesza staje się dla ludu okazją do oddania się widzialnemu Bogu, któremu oddają cześć: „Lud zasiadł do jedzenia i picia i wstał, aby się cieszyć” (Wj 32, 6). Powracający «Mojżesz zobaczył, jak dziki był lud * (Wj 32:25). Wobec złamanego przymierza Mojżesz odrzucił tablice napisane przez samego Boga i połamał je (Wj 32:19). Miłosierdzie Boże przywróciło Izraelowi tabliczki, ale są one zawsze używane jako tablice zastępcze i jednocześnie znaki ostrzegawcze przypominające o zerwanym przymierzu. Wobec złamanego przymierza Mojżesz odrzucił tablice napisane przez samego Boga i połamał je (Wj 32:19). Miłosierdzie Boże przywróciło Izraelowi tabliczki, ale są one zawsze używane jako tablice zastępcze i jednocześnie znaki ostrzegawcze przypominające o zerwanym przymierzu. Wobec złamanego przymierza Mojżesz odrzucił tablice napisane przez samego Boga i połamał je (Wj 32:19). Miłosierdzie Boże przywróciło Izraelowi tabliczki, ale są one zawsze używane jako tablice zastępcze i jednocześnie znaki ostrzegawcze przypominające o zerwanym przymierzu.

Co to oznacza dla naszego pytania? Historia przymierza na powierzchni z Izraelem jest z jednej strony poparta ciągłością wyboru Boga jako niezniszczalnego, ale jednocześnie jest zdeterminowana całym dramatem ludzkiej porażki. Oczywiście, biorąc pod uwagę nieskończoną różnorodność partnerów federalnych, wygranego „przymierza” nie można rozumieć jako równorzędnych partnerów. Nierówność obu partnerów sprawia, że ​​w sposobie nadania przez wielkiego króla związek bardziej przypomina model orientalny. Wyraża się to również w formie językowej, w której nie wybrano słowa „Syittitelte”, przypominającego partnerstwo, lecz diatekk, dlatego List do Hebrajczyków nie mówi o „przymierzu”, lecz o „testamencie”. W związku z tym święte księgi generalnie nie są nazywane Starym i Nowym Przymierzem,

Cała droga Boga ze swoim ludem znajduje wreszcie swoje podsumowanie i ostateczny kształt w Wieczerzy Pańskiej, która uprzedza krzyż i zmartwychwstanie i niesie je w sobie. Nie musimy wchodzić w skomplikowane problemy formowania się dwóch typów tradycji – Marka i Mateusza z jednej strony oraz Łukasza i Pawła z drugiej

 

Łaska i wołanie bez skruchy

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wejść w. Z jednej strony podjęto tradycję Synaju. To, co się tam wydarzyło, w końcu ma miejsce tutaj, a więc tutaj uobecnia się obietnica nowego przymierza: przymierze na Synaju było ze swej natury zawsze obietnicą, krokiem w kierunku ostatecznego. Po wszystkich zniszczeniach to miłość Boża idzie aż do śmierci Syna, która sama jest nowym przymierzem.

Spróbujmy teraz znaleźć ostateczny werdykt na temat formuły „przymierze nigdy nie wypowiedziane”. Najpierw musieliśmy postawić dwa zastrzeżenia językowe: słowo „zakończyć” nie należy do słownika działania Bożego. W historii Boga z ludzkością opisanej w Biblii „przymierze” nie jest pojedyncze, ale zawiera się etapami. Teraz, poza tymi formalnymi zastrzeżeniami, musimy krytycznie powiedzieć, że nie ukazuje prawdziwego dramatu historii między Bogiem a człowiekiem. Tak, miłość Boża jest niezniszczalna. Ale historia przymierza między Bogiem a człowiekiem obejmuje także ludzką klęskę, złamanie przymierza i jego wewnętrzne konsekwencje: zniszczenie świątyni, rozproszenie Izraela, wezwanie do pokuty, które czyni człowieka zdolnym do zawarcia przymierza na nowo. Boża miłość nie może po prostu ignorować ludzkiego nie. Boli samego siebie i, z konieczności, skrupulatność. Jeśli w księgach proroków, a także w Torze ukazywany jest gniew Boga i cała surowość Jego kar, to trzeba pamiętać, że ukaranie przez Boga, na który na mnie spada, staje się cierpieniem dla niego samego. To nie koniec jego miłości, ale jej nowy poziom. Chciałbym tu przytoczyć tylko jeden tekst, który wyraźnie pokazuje to przenikanie się gniewu i miłości, aw nim ostateczność miłości. Po wszystkich zagrożeniach, które pojawiły się wcześniej, w 11:7-9 ukazuje się zbawcza miłość Boga w całej swej wielkości: „Lud mój trwa w niewierności; wołają Baala, ale on pomaga im skinąć głową. Jak mógłbym cię oddać, Efraimie, jak mógłbym cię oddać? Izrael? Moje serce zwraca się przeciwko mnie, moja litość się rozszerza. Nie chcę urzeczywistniać swego żarliwego gniewu i nie niszczyć ponownie Efraima.* Pomiędzy winą człowieka a groźbą ostatecznego zerwania przymierza leży cierpienie Boga: - Serce moje zwraca się przeciwko mnie [...] Bo jestem Bogiem , nie osobą [...], dlatego nie wpadam w złość.” To, co jest tu powiedziane w wielkich i szokujących słowach, urzeczywistniają się w słowach Wieczerzy Pańskiej Jezusa: On oddaje się na śmierć iw ten sposób otwiera nowe przymierze w zmartwychwstaniu. ..] Bo jestem Bogiem, a nie osobą [...], dlatego nie przychodzę w czułości gniewu.” To, co jest tu powiedziane w wielkich i szokujących słowach, urzeczywistniają się w słowach Wieczerzy Pańskiej Jezusa: On oddaje się na śmierć iw ten sposób otwiera nowe przymierze w zmartwychwstaniu. ..] Bo jestem Bogiem, a nie osobą [...], dlatego nie przychodzę w czułości gniewu.” To, co jest tu powiedziane w wielkich i szokujących słowach, urzeczywistniają się w słowach Wieczerzy Pańskiej Jezusa: On oddaje się na śmierć iw ten sposób otwiera nowe przymierze w zmartwychwstaniu.

Przekształcenie przymierza na Synaju w nowe przymierze we krwi Jezusa, to znaczy w Jego miłości zwyciężającej śmierć, nadaje przymierzu nową i zawsze ważną formę. W ten sposób Jezus odpowiada zawczasu na dwa wydarzenia historyczne, które niedługo potem de facto na sytuację Izraela i państwa

 

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Józefa Ratzingera – Benedykta XVI.

fundamentalnie zmieniły konkretną formę ślepych Synaju: zniszczenie świątyni, które coraz bardziej okazywało się nieodwołalne, oraz rozproszenie Izraela w światowej diasporze. Dotykamy tu „istoty" chrześcijaństwa i „istoty" judaizmu, który ze swej strony rozwinął odpowiedź na te wydarzenia w Talmudzie i Misehnie. Jak można żyć przymierzem? To pytanie jest konkretne. Rzeczywistość Starego Testamentu podzielona na dwie drogi, judaizm i chrześcijaństwo.

Formuła „przymierza nigdy nie wypowiedzianego” może być pomocna w pierwszej fazie nowego dialogu między Żydami a chrześcijanami, ale nie jest długoterminowa, aby adekwatnie wyrazić wielkość rzeczywistości. Jeśli ktoś uważa krótkie formy za konieczne, odniosę się przede wszystkim do „dwóch słów Pisma Świętego, w których zasadnie wyrażone są zasadnicze elementy. W odniesieniu do Żydów Paweł mówi: * Nieskruszone (nieodwołalne) są łaską i powołaniem, które Bóg udziela - (Rz 11:29) Pismo Święte mówi do wszystkich: „Jeżeli staniemy niewzruszenie, będziemy z nim panować; jeśli się go zaprze, on też się nas zaprze. Jeśli jesteśmy niewierni, on pozostanie wierny, bo nie może się zaprzeczyć samemu sobie - (2 Tm 2,12f).

  1. Październik 2017 Joseph Ratzinger – Benedykt XVI.

Abstrakcyjny

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 https://www.communio.de/pdf/vorabveroeffentlichung/Communio-Benedikt_XVI-2018.pdf